Schuldnerberatung finden: Kostenlose Hilfe in Ihrer Nähe
Hilfe ist kostenlos
In Deutschland gibt es über 1.400 anerkannte Schuldnerberatungsstellen. Die Beratung ist vollständig kostenlos, vertraulich und unverbindlich. Sie müssen sich nicht schämen — die Berater kennen Ihre Situation und helfen ohne Vorwürfe.
Wo finden Sie kostenlose Schuldnerberatung?
Die folgenden Organisationen bieten in ganz Deutschland anerkannte, kostenlose Schuldnerberatung an:
Caritas (katholisch)
Die Caritas ist einer der größten Träger von Schuldnerberatung in Deutschland. Beratungsstellen gibt es in nahezu jeder Stadt. Die Caritas berät unabhängig von Konfession oder Religionszugehörigkeit — auch nicht-religiöse Menschen sind willkommen. Suche über caritas.de.
Diakonie (evangelisch)
Das Diakonische Werk unterhält ebenfalls ein dichtes Netz an Beratungsstellen. Wie bei der Caritas gilt: Die Beratung steht allen offen, nicht nur Kirchenmitgliedern. Besonders stark vertreten in Norddeutschland. Suche über diakonie.de.
AWO (Arbeiterwohlfahrt)
Die AWO bietet Schuldnerberatung besonders in städtischen Gebieten und Arbeitnehmer-nahen Regionen an. Die Berater haben oft zusätzliche Expertise bei Themen wie Lohnpfändung und Arbeitnehmerrechten. Suche über awo.org.
Kommunale Beratungsstellen
Viele Städte und Landkreise unterhalten eigene Schuldnerberatungen. Fragen Sie bei Ihrem Rathaus, Bürgeramt oder Sozialamt nach. Kommunale Stellen haben oft den Vorteil kürzerer Wartezeiten.
Verbraucherzentralen
In mehreren Bundesländern (u.a. NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) bieten die Verbraucherzentralen Schuldnerberatung an. Der Zugang erfolgt über die jeweilige Landes-Verbraucherzentrale.
DRK und weitere Träger
Auch das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und kleinere lokale Träger bieten Schuldnerberatung an. Eine Gesamtübersicht bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG-SB) unter bag-sb.de.
Was Sie zum ersten Termin mitbringen sollten
Je besser Sie vorbereitet sind, desto effektiver kann die Beratung helfen. Bringen Sie möglichst mit:
- Kontoauszüge der letzten 3 Monate (von allen Konten)
- Alle Briefe von Gläubigern, Inkassounternehmen, Gerichtsvollziehern
- Mietvertrag und letzte Nebenkostenabrechnung
- Einkommensnachweise: Gehaltsabrechnungen, Bescheide über Sozialleistungen, Kindergeld
- Kreditverträge und Bürgschaftserklärungen
- Versicherungsunterlagen (können ggf. gekündigt werden)
- Aufstellung Ihrer Schulden (soweit Sie sie überblicken)
Kein perfekter Überblick nötig
Wenn Sie nicht alle Unterlagen haben oder keinen Überblick über Ihre Schulden — kommen Sie trotzdem. Die Berater helfen Ihnen, die Situation zu sortieren. Es ist besser, unvollständig vorbereitet zu kommen, als gar nicht.
Was passiert bei der Beratung?
Der Ablauf einer Schuldnerberatung folgt in der Regel diesen Schritten:
- Erstkontakt: Kurze Schilderung Ihrer Situation, Terminvergabe
- Bestandsaufnahme: Erfassung aller Schulden, Einkommen und Ausgaben
- Existenzsicherung: Sofortige Maßnahmen bei drohender Wohnungslosigkeit, Stromsperre oder Kontopfändung
- Budgetberatung: Erstellen eines realistischen Haushaltsplans, Identifizieren von Einsparpotenzialen
- Gläubigerverhandlungen: Die Berater verhandeln in Ihrem Auftrag mit Gläubigern über Ratenzahlungen, Stundungen oder Vergleiche
- Schuldenbereinigungsplan: Erstellung eines Plans, der alle Gläubiger berücksichtigt
- Ggf. Privatinsolvenz: Begleitung durch das Verfahren, wenn außergerichtliche Lösungen scheitern
Wartezeiten überbrücken: Was Sie sofort tun können
Bis zu Ihrem Beratungstermin können Sie bereits wichtige Schritte unternehmen:
- P-Konto einrichten: Schützen Sie Ihr Existenzminimum vor Pfändung — Ihre Bank muss das innerhalb von 4 Tagen umstellen
- Post öffnen und sortieren: Ordnen Sie alle Schreiben nach Gläubiger und Datum
- Haushaltsbuch führen: Notieren Sie alle Einnahmen und Ausgaben
- Keine neuen Schulden: Nehmen Sie keine neuen Kredite auf und unterschreiben Sie keine neuen Verträge
- Sozialleistungen prüfen: Stehen Ihnen Wohngeld, Bürgergeld oder Kinderzuschlag zu?
Vorsicht vor unseriösen Anbietern
Leider gibt es auch unseriöse kommerzielle Anbieter, die die Notlage verschuldeter Menschen ausnutzen. Warnsignale:
- Hohe Vorabgebühren (seriöse Beratung ist kostenlos oder transparent bepreist)
- Versprechungen wie "Schulden in 24 Stunden weg"
- Druck zu schneller Vertragsunterschrift
- Keine staatliche Anerkennung als Schuldnerberatungsstelle
- Werbung mit "Schuldenregulierung" ohne klare Preisangabe
Seriositätscheck
Fragen Sie immer, ob die Stelle nach § 305 InsO anerkannt ist. Nur anerkannte Stellen können die Bescheinigung für einen Insolvenzantrag ausstellen. Kostenlose Stellen (Caritas, Diakonie, AWO, kommunale Stellen) sind grundsätzlich anerkannt und seriös.