Bank wechseln in 5 Schritten: Die komplette Anleitung
Das Wichtigste in Kürze
Seit 2016 haben Sie ein gesetzliches Recht auf Unterstützung beim Kontowechsel (Zahlungskontengesetz). Die neue Bank übernimmt Daueraufträge und informiert Zahlungspartner. Der gesamte Prozess dauert 5–10 Werktage. Wir zeigen Ihnen jeden Schritt.
Warum Sie Ihre Bank wechseln sollten
Die meisten Deutschen bleiben aus Bequemlichkeit bei ihrer ersten Bank — oft einer teuren Filialbank. Dabei lohnt sich ein Wechsel fast immer:
- Gebühren sparen: Filialbanken verlangen 5–10 € monatlich, viele Direktbanken sind kostenlos
- Bessere Zinsen: Direktbanken bieten oft höhere Guthaben- und niedrigere Dispozinsen
- Modernere Funktionen: Apple Pay, Google Pay, Echtzeit-Überweisungen, bessere Banking-Apps
- Kostenlose Bargeldabhebung: Viele Direktbanken bieten weltweit kostenlose Abhebungen
Schritt 1: Neue Bank auswählen
Vergleichen Sie Girokonten anhand der wichtigsten Kriterien: keine Kontoführungsgebühr, kostenlose Karte, keine Mindesteingangsanforderung (oder eine, die Sie erfüllen), kostenlose Bargeldabhebung und ein angemessener Dispozins.
Eröffnen Sie das neue Konto online per Video-Ident oder PostIdent. Die Kontoeröffnung dauert in der Regel 10–15 Minuten. Die Zugangsdaten erhalten Sie innerhalb weniger Tage.
Schritt 2: Kontowechselservice beauftragen
Sobald Ihr neues Konto aktiv ist, beauftragen Sie den gesetzlichen Kontowechselservice. Die neue Bank:
- Fordert von Ihrer alten Bank alle Zahlungspartner der letzten 13 Monate an
- Übernimmt alle Daueraufträge
- Informiert Lastschrifteinreicher über die neue Bankverbindung
- Informiert Gutschrift-Sender (Arbeitgeber, Rentenversicherung, etc.)
Gesetzliche Grundlage: § 21 ZKG
Das Zahlungskontengesetz verpflichtet sowohl die alte als auch die neue Bank zur aktiven Mitwirkung. Die alte Bank muss innerhalb von 5 Werktagen alle relevanten Informationen bereitstellen. Ein Verstoß kann von der BaFin sanktioniert werden.
Schritt 3: Wichtige Zahlungspartner selbst informieren
Der Kontowechselservice erfasst die meisten, aber nicht alle Zahlungspartner. Informieren Sie diese zusätzlich selbst:
- Arbeitgeber: Neue Bankverbindung für Gehaltsüberweisung
- Finanzamt: Für Steuererstattungen
- Versicherungen: Alle laufenden Policen
- Vermieter: Mietdauerauftrag umstellen
- Online-Shops: PayPal, Amazon und andere mit hinterlegter Bankverbindung
- Vereinsmitgliedschaften: Beiträge per Lastschrift
Schritt 4: Übergangsphase managen
Lassen Sie beide Konten 2–3 Monate parallel laufen. In dieser Zeit:
- Prüfen Sie wöchentlich, ob noch Buchungen auf dem alten Konto eingehen
- Stellen Sie verspätete Zahlungspartner um, die den Wechsel verpasst haben
- Behalten Sie ein kleines Guthaben auf dem alten Konto für Nachzügler
- Notieren Sie die IBAN des neuen Kontos überall, wo Sie die alte angegeben haben
Schritt 5: Altes Konto kündigen
Erst wenn mindestens 2 Monate keine Buchungen mehr auf dem alten Konto eingegangen sind, kündigen Sie es. Die Kündigung ist formlos möglich — per Brief, E-Mail oder im Online-Banking. Beachten Sie:
- Kündigung ist jederzeit ohne Frist möglich (§ 675h BGB)
- Die Bank darf keine Kündigungsgebühr verlangen
- Restguthaben wird auf Ihr neues Konto überwiesen
- Karten und TAN-Generatoren müssen zurückgegeben oder vernichtet werden
- Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung der Kontoschließung an
Achtung: Dispo vor Kündigung ausgleichen
Wenn Ihr altes Konto einen Dispokredit hat, müssen Sie den Saldo vor der Kündigung vollständig ausgleichen. Sonst kann die Bank die Kündigung verweigern oder den Saldo sofort fällig stellen.
Checkliste: Was Sie beim Bankwechsel nicht vergessen dürfen
- Neue Bankverbindung bei PayPal, Amazon, eBay aktualisieren
- Finanzamt für Steuererstattungen informieren
- Alle Daueraufträge im neuen Konto verifizieren
- Depot-Verrechnungskonto ggf. umstellen
- Kindergeldzahlung bei der Familienkasse umstellen
- Bausparkasse und Riester-Anbieter informieren
- EC-/Kreditkarten an Zahlungsdienste (Apple Pay etc.) neu koppeln