Dispozins: Die teuerste Falle Ihres Girokontos
Das Wichtigste in Kürze
Der Dispozins ist mit durchschnittlich 10–12 % eine der teuersten Kreditformen in Deutschland. Millionen Verbraucher nutzen ihren Dispo dauerhaft und zahlen Hunderte Euro Zinsen pro Jahr — obwohl es deutlich günstigere Alternativen gibt.
Was der Dispozins wirklich kostet
Der Dispositionskredit (Dispo) ermöglicht es Ihnen, Ihr Girokonto bis zu einem vereinbarten Rahmen zu überziehen. Klingt praktisch — ist aber extrem teuer. Bei einem Dispo von 3.000 € und einem Zinssatz von 10,5 % zahlen Sie rund 315 € Zinsen pro Jahr.
| Dispo-Betrag | Zinssatz 10 % | Zinssatz 12 % | Zinssatz 14 % |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | 100 €/Jahr | 120 €/Jahr | 140 €/Jahr |
| 3.000 € | 300 €/Jahr | 360 €/Jahr | 420 €/Jahr |
| 5.000 € | 500 €/Jahr | 600 €/Jahr | 700 €/Jahr |
Das Tückische: Der Dispo wird nicht planmäßig getilgt. Viele Verbraucher zahlen jahrelang Zinsen, ohne den Saldo jemals zu reduzieren — eine Schuldenfalle.
Warum Banken vom Dispo profitieren
Die Refinanzierungskosten der Banken orientieren sich am EZB-Leitzins. Die Differenz zwischen Leitzins und Dispozins — die sogenannte Marge — beträgt bei vielen Banken über 8 Prozentpunkte. Kein anderes Kreditprodukt ist für Banken so profitabel.
Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine gesetzliche Zinsobergrenze für Dispokredite. In Frankreich existiert bereits ein solches Gesetz — dort darf der Dispozins maximal das 1,33-fache des Marktzinses betragen.
Raus aus dem Dispo: 4 konkrete Wege
1. Umschuldung auf einen Ratenkredit
Ein Ratenkredit kostet bei guter Bonität 3–6 % Zinsen — ein Bruchteil des Dispozinses. Nehmen Sie einen Ratenkredit in Höhe des Dispo-Saldos auf, gleichen Sie den Dispo aus und tilgen Sie den Ratenkredit in festen Monatsraten. Bei 3.000 € Umschuldung sparen Sie so 150–250 € Zinsen pro Jahr.
2. Rahmenkredit als Dispo-Ersatz
Ein Rahmenkredit (auch Abrufkredit) funktioniert ähnlich wie ein Dispo, kostet aber nur 5–8 % Zinsen. Sie haben einen flexiblen Kreditrahmen, den Sie nach Bedarf nutzen und zurückzahlen. Die ING bietet einen solchen Rahmenkredit ab 5,99 % an.
3. Notgroschen aufbauen
Die nachhaltigste Lösung: Bauen Sie einen Notgroschen von 3–6 Netto-Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto auf. Damit brauchen Sie den Dispo nie wieder. Starten Sie mit einem automatischen Sparplan — selbst 50 € im Monat machen einen Unterschied.
4. Dispo-Rahmen reduzieren oder streichen
Klingt radikal, ist aber effektiv: Lassen Sie Ihren Disporahmen auf null setzen. Ohne verfügbaren Dispo können Sie ihn nicht nutzen. Manche Verbraucher brauchen diese Selbstbeschränkung, um aus dem Kreislauf auszubrechen.
Ihre Rechte als Verbraucher
- Transparenz: Die Bank muss den Dispozins gut sichtbar auf der Website veröffentlichen (§ 6a PAngV)
- Warnpflicht: Seit 2016 müssen Banken Kunden bei dauerhafter Dispo-Nutzung auf günstigere Alternativen hinweisen
- Kein Koppelgeschäft: Die Bank darf den Dispo nicht an den Kauf anderer Produkte knüpfen
- Vorzeitige Rückzahlung: Sie können den Dispo jederzeit und ohne Vorfälligkeitsentschädigung ausgleichen
Praxis-Tipp
Vergleichen Sie den Dispozins Ihrer Bank mit dem aktuellen Marktdurchschnitt. Liegt Ihre Bank deutlich darüber, nutzen Sie das als Argument im Gespräch mit Ihrem Bankberater — oder wechseln Sie die Bank.