Reform der privaten Altersvorsorge 2026: Was Sie wissen müssen
Das Wichtigste in Kürze
- Neues Altersvorsorgedepot ersetzt Riester-Neuverträge
- Bis zu 3.000 € jährlich steuerlich gefördert
- Keine Beitragsgarantie — dafür höhere Renditechancen
- Auszahlpläne statt verpflichtender Verrentung möglich
- Bestehende Riester-Verträge können überführt werden
Warum die Reform notwendig war
Die Riester-Rente galt seit Jahren als gescheitert. Hohe Kosten, niedrige Renditen und die verpflichtende Beitragsgarantie machten das Produkt unattraktiv. Von rund 16 Millionen Riester-Verträgen wurden über ein Viertel stillgelegt — die Sparer zahlten nicht mehr ein. Die Fokusgruppe private Altersvorsorge des Bundesfinanzministeriums empfahl 2023 eine grundlegende Reform.
Das pAV-Reformgesetz (Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge) setzt diese Empfehlungen um. Es schafft mit dem Altersvorsorgedepot ein modernes, flexibles Vorsorgeprodukt, das auf Kapitalmarktrenditen setzt und den Verbrauchern mehr Wahlfreiheit gibt.
Das Altersvorsorgedepot im Detail
Fondsbasierte Anlage ohne Garantie
Das Altersvorsorgedepot erlaubt die Anlage in Aktienfonds, ETFs und gemischte Fonds. Anders als bei Riester gibt es keine Beitragsgarantie. Die Erfahrung zeigt: Bei langen Anlagehorizonten von 20–40 Jahren führt der Verzicht auf Garantien zu deutlich höheren Renditen, da das Kapital vollständig am Aktienmarkt arbeiten kann.
Vergleich: Altersvorsorgedepot vs. Riester
| Merkmal | Riester (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) |
|---|---|---|
| Beitragsgarantie | Ja (100 %) | Nein |
| Maximaler Förderbeitrag | 2.100 €/Jahr | 3.000 €/Jahr |
| Anlagefreiheit | Eingeschränkt | Freie Fondswahl |
| Auszahlung | Pflichtverrentung | Verrentung oder Auszahlplan |
| Typische Kosten p.a. | 1,5–2,5 % | 0,2–0,8 % (ETF-basiert) |
Steuerliche Förderung und Zulagen
Beiträge zum Altersvorsorgedepot können bis zu 3.000 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die Grundzulage von 175 Euro und die Kinderzulage von 300 Euro pro Kind bleiben in ähnlicher Höhe bestehen und werden automatisch dem Depot gutgeschrieben.
Für Geringverdiener (Jahreseinkommen unter 26.250 Euro) gibt es einen zusätzlichen Bonus von 175 Euro pro Jahr. Berufseinsteiger unter 25 Jahren erhalten einen einmaligen Starterbonus von 200 Euro.
Nachgelagerte Besteuerung
Wie bei Riester gilt die nachgelagerte Besteuerung: Beiträge werden steuerlich gefördert, die Auszahlungen im Rentenalter sind dafür voll steuerpflichtig. Da der persönliche Steuersatz im Ruhestand meist niedriger ist als während des Berufslebens, profitieren die meisten Sparer von diesem Modell.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Bestehende Riester-Verträge werden nicht gekündigt. Sparer haben drei Optionen:
- Vertrag beitragsfrei stellen: Keine weiteren Einzahlungen, das vorhandene Kapital wird weiter verwaltet und bei Renteneintritt ausgezahlt.
- Vertrag fortführen: Weitere Einzahlungen mit bisheriger Förderung sind möglich, allerdings gelten die alten (niedrigeren) Fördergrenzen.
- Überführung in Altersvorsorgedepot: Das angesparte Kapital wird steuerneutral in das neue Depot übertragen. Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.
Vorsicht bei Kündigung
Eine Kündigung des Riester-Vertrags gilt als schädliche Verwendung. Alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden. Prüfen Sie stattdessen die Überführung in das Altersvorsorgedepot — das ist in den meisten Fällen die bessere Option.
Handlungsempfehlungen für Verbraucher
- Riester-Vertrag prüfen: Ermitteln Sie die bisherigen Kosten und die erzielte Rendite. Vergleichen Sie mit einem ETF-basierten Altersvorsorgedepot.
- Überführung prüfen lassen: Lassen Sie sich von einer unabhängigen Verbraucherzentrale beraten, ob die Überführung für Ihren konkreten Vertrag sinnvoll ist.
- Anbieter vergleichen: Die Kosten der Altersvorsorgedepots variieren stark. Achten Sie auf niedrige laufende Kosten (TER) und transparente Gebührenstrukturen.
- Fördergrenzen ausschöpfen: Nutzen Sie die vollen 3.000 Euro pro Jahr, um den maximalen Steuervorteil zu erzielen.