ETF-Sparplan als Altersvorsorge: Der Verbraucherzentrale-Guide
Verbraucherzentrale-Empfehlung
Ein breit gestreuter ETF-Sparplan ist nach Einschätzung der Verbraucherzentralen das beste Instrument für die private Altersvorsorge: niedrige Kosten, hohe Rendite, volle Flexibilität. Kein anderes Produkt bietet ein vergleichbar gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Warum ETFs für die Altersvorsorge?
Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds, die einen Aktienindex wie den MSCI World automatisch nachbilden. Statt einem teuren Fondsmanager zu vertrauen, investieren Sie automatisch in Hunderte oder Tausende Unternehmen weltweit – zu einem Bruchteil der Kosten.
Die Verbraucherzentralen empfehlen ETFs seit Jahren als Kern der privaten Altersvorsorge. Der Grund: Über 90 % der aktiv gemanagten Fonds schneiden langfristig schlechter ab als ihr Vergleichsindex – nach Kosten erst recht. ETFs liefern die Marktrendite, und die reicht für eine solide Altersvorsorge völlig aus.
Die Musterrechnung: 100 € monatlich über 30 Jahre
| Zeitraum | Eingezahlt | Depotwert (7 % p.a.) | Gewinn |
|---|---|---|---|
| Nach 5 Jahren | 6.000 € | 7.159 € | +1.159 € |
| Nach 10 Jahren | 12.000 € | 17.308 € | +5.308 € |
| Nach 20 Jahren | 24.000 € | 52.093 € | +28.093 € |
| Nach 30 Jahren | 36.000 € | 121.997 € | +85.997 € |
Mit nur 100 Euro monatlich bauen Sie über 30 Jahre ein Vermögen von rund 122.000 Euro auf. Bei 300 Euro monatlich wären es bereits 366.000 Euro, bei 500 Euro sogar über 610.000 Euro. Der Zinseszinseffekt wird mit der Zeit immer stärker: Fast 70 % des Endvermögens stammen aus Rendite, nicht aus Ihren Einzahlungen.
Welcher ETF für die Altersvorsorge?
Die zwei Klassiker
| Index | Unternehmen | Länder | TER (Kosten p.a.) | Rendite (15 J.) |
|---|---|---|---|---|
| MSCI World | ~1.500 | 23 (Industrieländer) | 0,10–0,20 % | ~10 % p.a. |
| FTSE All-World | ~4.000 | 49 (inkl. Schwellenländer) | 0,15–0,22 % | ~9,5 % p.a. |
Beide Optionen sind hervorragend geeignet. Der MSCI World ist etwas US-lastiger (ca. 70 % US-Anteil), der FTSE All-World breiter diversifiziert mit Schwellenländern. Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Nehmen Sie den, der bei Ihrem Broker am günstigsten besparbar ist.
Kosten: Warum jedes Zehntel Prozent zählt
Der größte Feind der Rendite sind Kosten. Der Unterschied zwischen einem ETF mit 0,2 % TER und einem aktiven Fonds mit 1,5 % TER klingt gering – aber über 30 Jahre macht er bei 100.000 Euro Anlagesumme den Unterschied zwischen 574.000 Euro und 432.000 Euro. Das sind über 140.000 Euro, die allein durch Kosten vernichtet werden.
- ETF-Kosten (TER): 0,10–0,25 % pro Jahr
- Aktiver Fonds: 1,2–2,0 % pro Jahr + ggf. Ausgabeaufschlag
- Fondspolicen/Versicherungen: 1,5–3,0 % pro Jahr
Steuern: Was vom ETF-Gewinn übrig bleibt
Auf Gewinne aus ETF-Verkäufen und Ausschüttungen fallen 26,375 % Abgeltungssteuer an (inkl. Solidaritätszuschlag, ggf. + Kirchensteuer). Aktienfonds profitieren von der Teilfreistellung: 30 % der Erträge sind steuerfrei, sodass die effektive Steuerbelastung bei nur 18,46 % liegt.
Steuertipp: Sparerpauschbetrag nutzen
Erteilen Sie Ihrem Broker einen Freistellungsauftrag über 1.000 Euro (Paare: 2.000 Euro). Bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge komplett steuerfrei. Bei thesaurierenden ETFs fällt jährlich die Vorabpauschale an – diese wird bei Verkauf verrechnet, sodass keine Doppelbesteuerung entsteht.
So starten Sie in 4 Schritten
- Depot eröffnen: Wählen Sie einen günstigen Online-Broker. Die Depotführung sollte kostenlos sein und ETF-Sparpläne ab 1 Euro möglich.
- ETF auswählen: MSCI World oder FTSE All-World, thesaurierend, mit physischer Replikation und einem Fondsvolumen von mindestens 500 Millionen Euro.
- Sparplan einrichten: Legen Sie einen festen monatlichen Betrag fest. Wählen Sie einen festen Tag im Monat und ändern Sie den Sparplan nicht bei Marktschwankungen.
- Durchhalten: Der wichtigste Schritt. Nicht verkaufen bei Kursrückgängen. Nicht ständig ins Depot schauen. Der Sparplan läuft automatisch – lassen Sie den Zinseszins arbeiten.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu viele verschiedene ETFs kaufen (ein Welt-ETF reicht)
- Bei fallenden Kursen den Sparplan stoppen oder verkaufen
- Auf "den richtigen Einstiegszeitpunkt" warten – den gibt es nicht
- Teure Nischenprodukte (Themen-ETFs, gehebelte ETFs) kaufen
- Zu häufig umschichten und dadurch Steuern und Gebühren auslösen