Private Rentenversicherung: Warum die Verbraucherzentrale warnt
Verbraucherzentrale-Warnung
Private Rentenversicherungen gehören zu den teuersten und intransparentesten Finanzprodukten auf dem deutschen Markt. Die Kosten fressen einen Großteil der Rendite, der Garantiezins ist bedeutungslos niedrig, und die Flexibilität ist minimal. Für die meisten Verbraucher gibt es bessere Alternativen.
Das Problem: Hohe Kosten, niedrige Rendite
Private Rentenversicherungen werden in Deutschland massiv vertrieben – kein Wunder, denn für Versicherer und Vermittler sind sie hochprofitabel. Die Abschlussprovision beträgt typischerweise 2,5–5 % der gesamten Beitragssumme. Bei einem Vertrag mit 200 Euro monatlichem Beitrag über 30 Jahre (= 72.000 Euro Beitragssumme) verdient der Vermittler 1.800–3.600 Euro – Geld, das von Ihren Beiträgen abgeht.
Wohin Ihr Geld wirklich fließt
| Kostenart | Anteil am Beitrag | Erklärung |
|---|---|---|
| Abschlusskosten | 2,5–5,0 % | Provision für den Vermittler, auf 5 Jahre verteilt |
| Verwaltungskosten | 5–15 % | Jährlich vom Beitrag, für Verwaltung und IT |
| Fondskosten (bei FRV) | 0,5–2,0 % | Jährlich vom Fondsvermögen |
| Effektivkosten gesamt | 1,5–3,0 % | Pro Jahr vom Vertragsguthaben |
Vergleich: Private RV vs. ETF-Sparplan
Die folgende Rechnung zeigt den Unterschied bei 200 Euro monatlicher Sparrate über 30 Jahre:
| Kriterium | Private RV | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Eingezahlt | 72.000 € | 72.000 € |
| Rendite p.a. (nach Kosten) | 2–3 % | 6–7 % |
| Endkapital nach 30 Jahren | 95.000–115.000 € | 195.000–245.000 € |
| Kosten über 30 Jahre | 25.000–45.000 € | 2.000–5.000 € |
| Flexibilität | Gering | Hoch |
Der ETF-Sparplan erzielt bei gleicher Sparrate rund doppelt so viel Endkapital – allein wegen der niedrigeren Kosten und der höheren Rendite am Aktienmarkt.
Der Garantiezins-Mythos
Viele Versicherer werben mit dem Garantiezins – aktuell 0,25 %. Was die Werbung verschweigt: Der Garantiezins gilt nur für den SparanteilIhres Beitrags, nicht für den gesamten Beitrag. Nach Abzug aller Kosten landen oft nur 70–85 % Ihres Beitrags im Spartopf. 0,25 % auf 75 % Ihres Beitrags ergibt eine garantierte Rendite auf Ihren Gesamtbeitrag von nur etwa 0,19 % – weit unter der Inflation.
Was tun mit bestehenden Verträgen?
Altverträge (vor 2005)
Verträge mit Garantiezins von 3–4 % und Steuerfreiheit bei Auszahlung nach 12 Jahren können sich lohnen. Prüfen Sie den Rückkaufswert und die garantierte Ablaufleistung – oft ist es sinnvoll, diese Verträge weiterlaufen zu lassen.
Neuere Verträge (ab 2005)
Bei Verträgen mit niedrigem Garantiezins und hohen Kosten sollten Sie eine Beitragsfreistellung erwägen. Das vorhandene Kapital bleibt im Vertrag, Sie zahlen nichts mehr ein und investieren die frei gewordene Sparrate in einen ETF-Sparplan.
Kostenlose Vertragsprüfung
Die Verbraucherzentralen bieten eine kostenpflichtige, aber unabhängige Vertragsprüfung Ihrer Rentenversicherung an (ca. 80–120 Euro). Dort erhalten Sie eine individuelle Empfehlung, ob Kündigung, Beitragsfreistellung oder Fortführung in Ihrem Fall die beste Option ist.
Die bessere Alternative: Selbst investieren
Ein ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Welt-Index bietet alles, was eine private Rentenversicherung verspricht – nur besser:
- Kosten von 0,1–0,3 % statt 1,5–3,0 %
- Volle Transparenz über Kosten und Wertentwicklung
- Jederzeit verfügbar – keine Stornogebühren
- Historisch 7–10 % Rendite vor Kosten
- Vererbbar ohne Einschränkungen
- Steuerlich begünstigt durch Teilfreistellung