POSTIDENT-Kreditbetrug: Gefälschte Legitimationsanfragen erkennen
Aktuelle Warnung: Identitätsmissbrauch über Video-Ident
Kriminelle nutzen gefälschte Jobangebote, Wohnungsinserate und Gewinnspiele, um Opfer zu einer POSTIDENT- oder Video-Ident-Legitimation zu bewegen. In Wahrheit wird ein Kredit auf Ihren Namen abgeschlossen. Führen Sie niemals eine Legitimation durch, deren Zweck Sie nicht vollständig verstehen.
So funktioniert der POSTIDENT-Kreditbetrug
Die Masche ist perfide: Betrüger schalten professionell wirkende Stellenanzeigen, Wohnungsinserate oder Gewinnspielseiten. Im Bewerbungs- oder Registrierungsprozess werden Opfer aufgefordert, sich per Video-Ident oder POSTIDENT zu legitimieren – angeblich zur Altersverifikation, Identitätsprüfung oder Kontoeröffnung für die Gehaltsabwicklung.
Tatsächlich leiten die Betrüger die Legitimationsdaten direkt an eine Online-Bank weiter. Dort wird in Sekundenschnelle ein Kreditvertrag auf den Namen des Opfers abgeschlossen. Das Geld wird auf ein Konto ausgezahlt, das die Betrüger kontrollieren. Das Opfer erfährt oft erst Wochen später durch Post der Bank von dem Kredit.
Besonders gefährlich: Die Video-Ident-Verfahren etablierter Anbieter wie IDnow oder WebID sind technisch einwandfrei. Das Problem liegt nicht in der Technik, sondern darin, dass die Opfer nicht wissen, wofür sie sich tatsächlich legitimieren.
Typische Vorwände der Betrüger
| Vorwand | Was tatsächlich passiert |
|---|---|
| Altersverifikation für Job | Kreditvertrag wird auf Ihren Namen abgeschlossen |
| Kontoeröffnung für Gehaltsabwicklung | Konto wird als Empfängerkonto für Betrugsgeld missbraucht |
| Identitätsprüfung für Mietvertrag | Legitimation wird für Kreditantrag verwendet |
| Gewinnspiel-Teilnahme | Daten werden für verschiedene Finanzprodukte missbraucht |
| Softwaretest / Produkttest | Echte Banklegitimation unter falschem Vorwand |
Warnsignale: Wann Sie die Legitimation abbrechen sollten
- Sie werden per E-Mail oder Chat aufgefordert, sich bei einem Video-Ident-Dienst zu legitimieren
- Der angegebene Zweck der Legitimation ergibt keinen logischen Sinn (z. B. Altersverifikation für eine Bewerbung)
- Im Video-Ident-Verfahren wird der Name einer Bank angezeigt, mit der Sie keinen Vertrag haben
- Sie sollen während des Verfahrens bestimmte Sätze aufsagen, die nach Vertragsbestätigung klingen
- Der Gesprächspartner drängt zur Eile und warnt, das Angebot laufe gleich ab
- Sie erhalten Zugangsdaten oder Vertragsunterlagen per E-Mail, die Sie nicht angefordert haben
Wichtiger Grundsatz
Kein seriöser Arbeitgeber, Vermieter oder Gewinnspielveranstalter verlangt von Ihnen eine Video-Ident-Legitimation. POSTIDENT und Video-Ident dienen ausschließlich dem Abschluss von Finanzprodukten wie Konten, Krediten oder Depots.
Sofortmaßnahmen für Betroffene
- Legitimation sofort abbrechen: Wenn Sie während der Video-Ident-Sitzung Verdacht schöpfen, beenden Sie das Gespräch und informieren Sie den Ident-Anbieter über den Betrugsversuch.
- Bank kontaktieren: Rufen Sie sofort bei der Bank an, die im Legitimationsverfahren genannt wurde. Lassen Sie den Kreditvertrag sperren und widersprechen Sie schriftlich.
- Anzeige erstatten: Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei. Bringen Sie alle Unterlagen mit: E-Mails, Screenshots der Stellenanzeige und des Chat-Verlaufs.
- Schufa informieren: Lassen Sie bei der Schufa einen Identitätsbetrugs-Hinweis eintragen. Fordern Sie eine Selbstauskunft an und prüfen Sie unbekannte Einträge.
- Vertrag anfechten: Fechten Sie den Kreditvertrag schriftlich wegen arglistiger Täuschung an (§ 123 BGB). Nutzen Sie ein Einschreiben mit Rückschein.
Rechtliche Situation: Müssen Sie den Kredit zurückzahlen?
Ein Kreditvertrag, der durch Täuschung zustande gekommen ist, kann nach § 123 BGB angefochten werden. Die Anfechtung muss unverzüglich nach Kenntnis des Betrugs erklärt werden. Wichtig: Dokumentieren Sie lückenlos, wie es zur Legitimation kam.
Banken haben eine Sorgfaltspflicht bei der Kreditvergabe. Wenn das Video-Ident-Verfahren Mängel aufwies – etwa weil erkennbar war, dass der Antragsteller den Vorgang nicht verstand – kann die Bank mithaftbar sein. Gerichte haben in vergleichbaren Fällen zugunsten der Verbraucher entschieden.
Lassen Sie sich in jedem Fall von einer Verbraucherzentrale oder einem Fachanwalt beraten. Die Erstberatung ist oft kostenlos oder kostengünstig, und die Erfolgsaussichten sind bei nachweisbarem Betrug in der Regel gut.