14-Tage-Widerrufsrecht: Online-Einkäufe zurückgeben
Ihr Recht bei Online-Käufen
Bei jedem Online-Kauf haben Sie als Verbraucher 14 Tage Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen (§ 312g BGB). Die Frist beginnt mit Erhalt der Ware – nicht mit der Bestellung.
Knapp 85 % der deutschen Verbraucher kaufen regelmäßig online ein. Was viele nicht wissen: Das Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen ist deutlich stärker als das freiwillige Rückgaberecht vieler Händler. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihr gesetzliches Recht nutzen, welche Ausnahmen gelten und wie Sie bei Problemen vorgehen.
Rechtsgrundlage: §§ 312g, 355 ff. BGB
Das Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen basiert auf der EU-Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU, in Deutschland umgesetzt durch §§ 312g, 355–357 BGB. Es gilt für alle Verträge, die zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer ausschließlich über Fernkommunikationsmittel geschlossen werden – also Online-Shops, Telefon, E-Mail oder Katalogbestellungen.
Das Widerrufsrecht gilt nicht für Käufe bei Privatpersonen (z.B. auf eBay Kleinanzeigen) und nicht bei Verträgen, die im stationären Handel geschlossen werden.
Die Widerrufsfrist: Wann sie beginnt und wann sie endet
| Situation | Fristbeginn | Fristende |
|---|---|---|
| Einzellieferung | Tag des Wareneingangs | 14 Tage später |
| Mehrere Teillieferungen | Eingang der letzten Lieferung | 14 Tage später |
| Regelmäßige Lieferung (Abo) | Eingang der ersten Lieferung | 14 Tage später |
| Fehlende Widerrufsbelehrung | Frist beginnt nicht | Maximal 12 Monate + 14 Tage |
Achtung bei fehlender Belehrung
Hat der Händler Sie nicht ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage ab Wareneingang (§ 356 Abs. 3 BGB).
Ausnahmen: Wann das Widerrufsrecht nicht gilt
§ 312g Abs. 2 BGB enthält einen abschließenden Katalog von Ausnahmen:
- Individuell angefertigte Ware (Maßanfertigung, Gravur)
- Schnell verderbliche Lebensmittel
- Versiegelte Hygieneartikel nach Entsiegelung (Kosmetik, Unterwäsche)
- Versiegelte Audio-/Video-/Software-Datenträger nach Entsiegelung
- Zeitungen und Zeitschriften (Einzelkauf, nicht Abo)
- Waren, deren Preis von Finanzmarktschwankungen abhängt
- Alkoholische Getränke mit Lieferung nach 30 Tagen bei schwankendem Preis
- Dringende Reparatur- oder Instandhaltungsarbeiten
Widerruf erklären: So gehen Sie vor
Der Widerruf muss „eindeutig erklärt" werden. Hierfür genügt eine formlose Mitteilung per E-Mail, Brief oder über das Kontaktformular des Händlers. Die bloße Rücksendung der Ware ohne Erklärung reicht nicht aus. Entscheidend ist die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.
Musterbrief: Widerruf einer Online-Bestellung
Nach dem Widerruf: Rückerstattung und Fristen
Der Händler muss alle Zahlungen (einschließlich Standard-Lieferkosten) innerhalb von 14 Tagen nach Eingang des Widerrufs erstatten (§ 357 Abs. 1 BGB). Er darf die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware zurückerhalten hat oder Sie den Nachweis der Rücksendung erbracht haben. Die Erstattung muss über dasselbe Zahlungsmittel erfolgen, das Sie verwendet haben – es sei denn, Sie vereinbaren ausdrücklich etwas anderes.