Inkasso-Forderung erhalten? Ihre Rechte auf einen Blick
Nicht vorschnell zahlen
Zahlen Sie eine Inkassoforderung niemals ungeprüft. Prüfen Sie zuerst, ob die Forderung berechtigt ist, ob die Gebühren angemessen sind und ob das Inkassounternehmen seriös ist. Sie haben das Recht auf vollständige Auskunft.
Ein Inkasso-Schreiben im Briefkasten löst bei vielen Menschen Angst aus. Doch nicht jede Inkassoforderung ist berechtigt, und selbst bei berechtigten Forderungen sind die verlangten Gebühren oft überhöht. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, wie Sie eine Inkassoforderung richtig prüfen, wann Sie zahlen müssen und wann nicht.
Checkliste: Inkassoforderung prüfen
Gehen Sie bei jedem Inkassoschreiben systematisch die folgenden Punkte durch:
Gläubiger identifizieren: Wer ist der ursprüngliche Gläubiger? Kennen Sie das Unternehmen und die angebliche Forderung?
Forderungsgrund prüfen: Ist die Hauptforderung nachvollziehbar? Existiert ein Vertrag, eine Rechnung oder ein Kaufbeleg?
Verjährung prüfen: Liegt der Forderungsgrund mehr als 3 Jahre zurück? Dann könnte die Forderung verjährt sein.
Gebühren kontrollieren: Sind die Inkassokosten nachvollziehbar aufgeschlüsselt und gesetzeskonform?
Inkassounternehmen prüfen: Ist das Unternehmen im Rechtsdienstleistungsregister registriert? (Prüfung unter rechtsdienstleistungsregister.de)
Legitimes vs. unseriöses Inkasso
| Seriöses Inkasso | Unseriöses Inkasso |
|---|---|
| Nennt konkreten Gläubiger und Forderungsgrund | Vage Angaben, kein konkreter Gläubiger |
| Detaillierte Forderungsaufstellung | Pauschalbetrag ohne Aufschlüsselung |
| Angemessene Zahlungsfrist (14 Tage) | Extremer Zeitdruck (24-48 Stunden) |
| Verweist auf Widerspruchsrecht | Droht mit sofortiger Pfändung |
| Im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen | Keine Registrierung nachweisbar |
Maximale Inkassogebühren: Was ist zulässig?
Seit dem 1. Oktober 2021 gelten klare gesetzliche Vorgaben für Inkassogebühren. Das Inkassounternehmen darf maximal die Gebühren verlangen, die ein Rechtsanwalt für die gleiche Tätigkeit nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) erhalten würde:
| Forderungshöhe | Max. Geschäftsgebühr (1,3) | Max. mit Auslagen & MwSt. |
|---|---|---|
| bis 50 € | 58,50 € | ca. 93 € |
| bis 300 € | 70,20 € | ca. 107 € |
| bis 500 € | 58,50 € | ca. 93 € |
| bis 1.000 € | 104,00 € | ca. 148 € |
| bis 2.000 € | 150,80 € | ca. 203 € |
Tipp: Gebühren vergleichen
Vergleichen Sie die im Inkassoschreiben aufgeführten Gebühren mit den gesetzlichen Höchstgrenzen. Überhöhte Gebühren müssen Sie nicht zahlen. Die Verbraucherzentralen bieten online kostenlose Inkasso-Rechner an.
So legen Sie Widerspruch ein
Wenn Sie die Forderung für unberechtigt halten, sollten Sie zeitnah schriftlich widersprechen. Ein Widerspruch muss keine bestimmte Form haben, sollte aber klar und eindeutig formuliert sein:
Musterbrief: Widerspruch gegen Inkassoforderung
Wann Sie zahlen sollten
Wenn Sie nach Prüfung feststellen, dass die Hauptforderung tatsächlich besteht (z.B. eine vergessene Rechnung), sollten Sie zeitnah zahlen – allerdings nur den berechtigten Betrag. Prüfen Sie auch in diesem Fall die Nebenkosten: Inkassogebühren dürfen nur entstehen, wenn Sie sich tatsächlich in Verzug befanden (also nach Mahnung oder nach Fälligkeit plus 30 Tagen bei Rechnungen mit Zahlungsziel).