Pfandbon-Pflicht: Neues Einwegpfand-System 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Milch- und Milchmischgetränke in Einweg ab 2026 pfandpflichtig (25 Cent)
- Digitaler Pfandbon als Alternative zum Papierbon wird eingeführt
- Geschäfte mit Einwegverkauf müssen gleichartige Verpackungen zurücknehmen
- Ziel: Recyclingquote auf 90 % bei PET-Flaschen erhöhen
Erweiterung des Einwegpfand-Systems
Das deutsche Einwegpfand-System wurde 2003 eingeführt und seitdem schrittweise erweitert. 2022 kamen bereits Frucht- und Gemüsenektar-Dosen hinzu. Ab 2026 werden nun auch Milch- und Milchmischgetränke mit mindestens 50 Prozent Milchanteil in die Pfandpflicht einbezogen. Die bisherige Ausnahme für diese Produktgruppe entfällt damit vollständig.
Hintergrund ist die stark gestiegene Verwendung von Einwegverpackungen bei Milchgetränken. Während 2003 noch über 60 Prozent der Milchgetränke in Mehrwegflaschen verkauft wurden, liegt der Einweganteil heute bei über 80 Prozent. Das Pfand soll den Anreiz zur Rückgabe erhöhen und das Littering — das achtlose Wegwerfen im öffentlichen Raum — deutlich reduzieren.
Welche Getränke sind neu betroffen?
| Getränkeart | Pfandpflicht bis 2025 | Pfandpflicht ab 2026 |
|---|---|---|
| Wasser, Erfrischungsgetränke | Ja (seit 2003) | Ja |
| Bier, Biermischgetränke | Ja (seit 2003) | Ja |
| Fruchtsäfte, Gemüsesäfte (Dosen) | Ja (seit 2022) | Ja |
| Milch (Trinkmilch, pur) | Nein (ausgenommen) | Ja (neu) |
| Milchmischgetränke (≥ 50 % Milch) | Nein (ausgenommen) | Ja (neu) |
| Diätetische Getränke (Dosen) | Nein (ausgenommen) | Ja (neu) |
| Getränkekartons (Tetra Pak) | Nein | Nein (weiterhin ausgenommen) |
Der digitale Pfandbon
Eine der spürbarsten Neuerungen für Verbraucher ist die Einführung des digitalen Pfandbons. Statt einen Papierbon am Automaten zu erhalten, können Sie den Pfandbetrag direkt auf eine App oder Kundenkarte gutschreiben lassen. Das System wird schrittweise ab Mitte 2026 ausgerollt und soll bis Ende 2027 flächendeckend verfügbar sein.
Vorteile des digitalen Pfandbons: Kein Verlust von Bons mehr, keine unleserlichen Ausdrucke, keine verfallenden Gutschriften. Zudem wird pro Jahr geschätzt eine Milliarde Papier-Pfandbons eingespart — ein bedeutender Beitrag zur Ressourcenschonung. Der Papierbon bleibt als Alternative weiterhin verfügbar.
Hinweis: Papierbon-Gültigkeit
Papier-Pfandbons haben eine Mindestgültigkeit von 14 Tagen. Manche Händler gewähren längere Fristen. Prüfen Sie das Verfallsdatum auf dem Bon. Ist der Bon unleserlich geworden, wenden Sie sich an den Kundenservice des Händlers — eine Erstattung ist in der Regel möglich.
Ihre Rechte bei der Pfandrückgabe
Die Rücknahmepflicht für Einwegverpackungen ist klar geregelt: Jedes Geschäft, das pfandpflichtige Einweggetränke verkauft, muss gleichartige Verpackungen zurücknehmen. „Gleichartig" bezieht sich auf das Material — wer PET-Flaschen verkauft, muss PET-Flaschen zurücknehmen, unabhängig von Marke oder Kaufort.
Kleine Geschäfte unter 200 Quadratmeter Verkaufsfläche dürfen die Rücknahme auf die Materialarten beschränken, die sie selbst im Sortiment führen. Discounter und Supermärkte ab 200 Quadratmeter müssen hingegen alle Einweg-Materialarten zurücknehmen.
- Rücknahme verweigert? Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Filiale. Beschweren Sie sich beim Händler und informieren Sie die zuständige Landesbehörde für Verbraucherschutz.
- Beschädigte Verpackungen: Auch zerdrückte Flaschen und Dosen müssen zurückgenommen werden, solange das Pfandlogo (DPG-Zeichen) erkennbar und der Barcode lesbar ist.
- Ausländische Produkte: Verpackungen ohne DPG-Zeichen sind nicht im deutschen Pfandsystem erfasst. Für grenznahe Einkäufe gelten die Regelungen des jeweiligen Landes.
Umweltbilanz des erweiterten Pfandsystems
Die Erweiterung des Pfandsystems soll die Recyclingquote bei PET-Flaschen auf über 90 Prozent steigern. Bei Dosen liegt die Rücklaufquote dank des Pfands bereits bei über 99 Prozent. Für die neu einbezogenen Milchgetränke-Verpackungen wird mit einer Steigerung der Recyclingquote von derzeit 50 Prozent auf mindestens 80 Prozent gerechnet.
Laut Umweltbundesamt werden durch die Erweiterung jährlich rund 160.000 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart — durch vermiedene Neuproduktion und geringeres Littering. Zudem werden Gewässer und Böden weniger durch Plastikmüll belastet.