Depot übertragen: Kostenlos den Broker wechseln (Anleitung)
Ihr Recht: Kostenloser Depotübertrag
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Ein Depotübertrag muss kostenlos sein (Az. XI ZR 200/03). Die abgebende Bank darf keine Gebühren erheben. Dieses Recht gilt für alle Depot-Arten — von der Filialbank bis zum Neobroker.
Warum den Broker wechseln?
Es gibt gute Gründe, das Depot zu einem anderen Broker zu übertragen:
- Kosten senken: Neobroker bieten deutlich günstigere Konditionen als klassische Filialbanken. Ein Wechsel kann hunderte Euro pro Jahr an Depotgebühren und Orderkosten sparen.
- Bessere Funktionen: Modernere Apps, mehr ETF-Sparpläne, Krypto-Handel oder Tagesgeld-Zinsen beim neuen Broker.
- Service-Unzufriedenheit: Schlechter Kundenservice, technische Probleme oder eingeschränkte Handelszeiten beim aktuellen Broker.
- Konsolidierung: Mehrere Depots bei verschiedenen Banken zu einem Depot zusammenführen.
Schritt-für-Schritt: So übertragen Sie Ihr Depot
Schritt 1: Neues Depot eröffnen
Eröffnen Sie zuerst ein Depot beim gewünschten neuen Broker. Die Kontoeröffnung bei Neobrokern dauert in der Regel 10–15 Minuten (Online-Identifikation via Video-Ident oder eID). Warten Sie, bis das Depot vollständig freigeschaltet ist.
Schritt 2: Depotübertrag beantragen
Die meisten Neobroker bieten ein digitales Übertragungsformular in der App oder im Online-Banking an. Sie benötigen:
- Depotnummer des alten Depots
- BIC/Name der abgebenden Bank
- Angabe: Vollständiger oder Teilübertrag
- Bei Teilübertrag: ISIN und Stückzahl der zu übertragenden Wertpapiere
Tipp: Sie können den Übertrag entweder beim neuen Broker (Depoteinzug) oder beim alten Broker (Depotausbuchung) beauftragen. Der Einzug über den neuen Broker ist meist einfacher und schneller.
Schritt 3: Warten und prüfen
Der Übertrag dauert in der Regel 2–6 Wochen. Während dieser Zeit können Sie die betroffenen Wertpapiere weder beim alten noch beim neuen Broker handeln. Planen Sie den Übertrag daher in ruhigen Marktphasen — nicht kurz vor einer erwarteten Dividendenzahlung oder in einer Marktkorrektur, in der Sie möglicherweise handeln möchten.
Schritt 4: Anschaffungsdaten prüfen
Nach dem Übertrag: Prüfen Sie, ob die steuerlichen Anschaffungsdaten (Kaufdatum und -kurs) korrekt übernommen wurden. Fehlerhafte Daten können bei einem späteren Verkauf zu einer falschen Steuerberechnung führen. Reklamieren Sie Fehler sofort bei der neuen Bank.
Schritt 5: Altes Depot schließen
Sobald alle Wertpapiere übertragen sind und die Anschaffungsdaten stimmen, können Sie das alte Depot schließen. Vergessen Sie nicht, den Freistellungsauftrag beim alten Broker zu kündigen und beim neuen Broker einzurichten.
Zeitplan und Dauer
| Art des Übertrags | Typische Dauer | Hinweise |
|---|---|---|
| Neobroker → Neobroker | 2–3 Wochen | Meist vollständig digital |
| Filialbank → Neobroker | 3–4 Wochen | Filialbanken arbeiten teils langsamer |
| Ausland → Deutschland | 4–8 Wochen | Anschaffungsdaten ggf. manuell nachtragen |
| Bruchstücke (Sparplan-Reste) | Nicht übertragbar | Müssen beim alten Broker verkauft werden |
Wichtig: Bruchstücke
Bruchstücke (z.B. 0,7 Anteile eines ETFs aus einem Sparplan) können nicht übertragen werden — nur ganze Stücke. Bruchstücke müssen beim alten Broker verkauft und das Geld manuell zum neuen Broker überwiesen werden.
Steuerliche Aspekte beim Depotübertrag
Ein Depotübertrag auf ein eigenes Depot (gleicher Kontoinhaber) ist steuerfrei. Es findet kein Verkauf statt — die Wertpapiere werden lediglich von einer Verwahrstelle zur anderen gebucht. Die steuerlichen Anschaffungsdaten bleiben erhalten.
Beachten Sie folgende Punkte:
- Anschaffungsdaten prüfen: Bei inländischen Überträgen ist die elektronische Übermittlung der Anschaffungsdaten Pflicht. Prüfen Sie dennoch die Korrektheit nach dem Übertrag.
- Verlustverrechnungstopf: Noch nicht verrechnete Verluste beim alten Broker können auf Antrag zum neuen Broker übertragen werden (Verlustbescheinigung bis 15. Dezember beantragen).
- Freistellungsauftrag: Bereits genutzte Freibeträge beim alten Broker werden beim Depotwechsel nicht automatisch übertragen. Richten Sie den Freistellungsauftrag beim neuen Broker ein und kündigen Sie den alten.
- Übertrag auf andere Person: Gilt steuerlich als Veräußerung und kann Abgeltungssteuer und ggf. Schenkungssteuer auslösen. Lassen Sie sich im Zweifel steuerlich beraten.
Checkliste: Vor dem Depotübertrag prüfen
- Bietet der neue Broker alle meine Wertpapiere an? (Insbesondere Anleihen, Fonds)
- Gibt es Bruchstücke, die ich vorher verkaufen muss?
- Habe ich keine offenen Orders oder Limit-Aufträge beim alten Broker?
- Ist der Freistellungsauftrag beim neuen Broker eingerichtet?
- Habe ich meine alten Kauf-Abrechnungen als Backup gesichert?
- Plane ich in den nächsten 4–6 Wochen keinen dringenden Verkauf der zu übertragenden Titel?