Identitätsdiebstahl: Konten in Ihrem Namen eröffnet
Wachsende Bedrohung
Identitätsdiebstahl im Finanzbereich nimmt rasant zu. Betrüger eröffnen Bankkonten, beantragen Kredite und schließen Verträge — alles in Ihrem Namen. Die Folgen können Jahre andauern.
Wie Identitätsdiebstahl funktioniert
Betrüger benötigen nur wenige persönliche Daten, um in Ihrem Namen Finanzprodukte zu eröffnen: Name, Geburtsdatum, Adresse und im Idealfall eine Kopie Ihres Ausweises. Diese Daten gelangen auf verschiedenen Wegen in kriminelle Hände.
Datenquellen der Betrüger
- Datenlecks: Millionen von Datensätzen werden bei Hacks erbeutet und im Dark Web verkauft.
- Phishing: Gefälschte E-Mails und Webseiten sammeln Zugangsdaten und persönliche Informationen.
- Gestohlene Post: Briefkästen werden aufgebrochen, um Kontoauszüge, Steuerbescheide oder Ausweiskopien zu stehlen.
- Social Engineering: Betrüger erschleichen sich Informationen durch Manipulation und Täuschung.
- Social Media: Öffentlich geteilte Informationen (Geburtstag, Adresse, Arbeitgeber) erleichtern den Identitätsmissbrauch.
Video-Ident-Betrug: Die neue Masche
Eine besonders perfide Methode: Betrüger schalten Stellenanzeigen für „Produkttester“ oder „App-Tester". Bewerber sollen angeblich die Video-Ident-Funktion einer Bank testen.
In Wirklichkeit wird bei diesem Prozess ein echtes Bankkonto im Namen des Opfers eröffnet. Dieses Konto wird anschließend für Geldwäsche oder Betrug missbraucht. Das Opfer steht als Kontoinhaber in der Verantwortung.
Niemals Video-Ident für Dritte durchführen!
Führen Sie niemals ein Video-Ident-Verfahren auf Anweisung eines Fremden durch. Es gibt keine seriösen „Tester-Jobs" für Identifikationsverfahren.
Sofortmaßnahmen bei Identitätsdiebstahl
- Strafanzeige erstatten: Gehen Sie sofort zur Polizei und bringen Sie alle Belege mit.
- Schufa informieren: Melden Sie den Identitätsdiebstahl der Schufa und beantragen Sie einen Hinweis in Ihrer Akte.
- Betroffene Banken kontaktieren: Informieren Sie alle Banken, bei denen unrechtmäßig Konten eröffnet wurden.
- Passwörter ändern: Ändern Sie sofort alle Passwörter für Online-Banking, E-Mail und wichtige Dienste.
- Ausweis sperren lassen: Bei gestohlenen Ausweisen melden Sie den Verlust beim Einwohnermeldeamt und der Polizei.
- Schufa-Datenkopie anfordern: Prüfen Sie, welche Konten und Anfragen in Ihrem Namen existieren.
Schufa-Selbstauskunft: Ihr wichtigstes Werkzeug
Die Schufa speichert Daten über Ihre Kreditwürdigkeit, darunter alle bekannten Konten, Kredite und Zahlungsstörungen. Über die kostenlose Datenkopie (nach Art. 15 DSGVO) können Sie prüfen, ob unrechtmäßige Einträge existieren.
- Besuchen Sie die offizielle Schufa-Webseite.
- Beantragen Sie die „Datenkopie" (kostenlos, einmal pro Jahr).
- Prüfen Sie jeden Eintrag auf Ihnen unbekannte Konten oder Anfragen.
- Bei verdächtigen Einträgen: Sofort bei der Schufa reklamieren.
Prävention: So schützen Sie sich
- Starke, einzigartige Passwörter für jeden Dienst verwenden
- Zwei-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren
- Persönliche Daten in sozialen Medien minimieren
- Briefkasten absichern und Post regelmäßig leeren
- Ausweiskopien nur an vertrauenswürdige Stellen senden
- Regelmäßig die Schufa-Auskunft prüfen
- Bei Datenlecks sofort Passwörter der betroffenen Dienste ändern