Zahnzusatzversicherung: Lohnt sich das wirklich?
Die Kurzversion
Die GKV zahlt bei Zahnersatz nur einen Bruchteil. Ein einzelnes Implantat kostet 1.800–3.500 €, eine Brücke 800–2.500 €. Wer sich guten Zahnersatz leisten will, ohne tief in die Tasche zu greifen, für den kann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll sein – wenn Sie früh genug abschließen.
Was die gesetzliche Krankenversicherung bei Zähnen zahlt
Die GKV übernimmt bei Zahnersatz einen Festzuschuss, der sich an der sogenannten Regelversorgung orientiert. Die Regelversorgung ist die medizinisch ausreichende Standardlösung – nicht die beste:
| Behandlung | Gesamtkosten | GKV-Zuschuss* | Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| Krone (Metall) | 400–600 € | ~200 € | 200–400 € |
| Krone (Keramik) | 700–1.200 € | ~200 € | 500–1.000 € |
| Brücke (3-gliedrig) | 800–2.500 € | ~450 € | 350–2.050 € |
| Implantat mit Krone | 1.800–3.500 € | ~450 € | 1.350–3.050 € |
| Vollprothese | 500–1.500 € | ~440 € | 60–1.060 € |
* Festzuschuss ohne Bonusheft-Bonus. Mit 10 Jahren lückenlosem Bonusheft: +75 % statt 60 %.
Wann sich eine Zahnzusatzversicherung lohnt
- Sie möchten hochwertigen Zahnersatz (Keramik, Implantate) statt Regelversorgung
- Sie haben genetisch schlechte Zähne oder familiäre Vorbelastung
- Sie sind zwischen 25 und 40 – die Beiträge sind niedrig und die Zähne (noch) gesund
- Sie haben Kinder, die voraussichtlich eine Kieferorthopädie-Behandlung brauchen
- Sie können sich eine unerwartete Rechnung von 3.000+ € nicht problemlos leisten
Wann Sie darauf verzichten können
- Sie haben bereits hohe Rücklagen für Gesundheitskosten
- Ihnen reicht die Regelversorgung (Metall-Krone statt Keramik)
- Sie sind über 55 und haben gesunde Zähne (die hohen Beiträge lohnen oft nicht mehr)
- Sie legen die Prämie lieber selbst beiseite ("Selbstversicherung")
Rechenbeispiel: Selbstversicherung
Bei 25 € monatlicher Prämie zahlen Sie über 20 Jahre 6.000 €. Wenn Sie in dieser Zeit nur ein Implantat (3.000 €) brauchen, wäre Selbstversicherung günstiger gewesen. Brauchen Sie aber drei Implantate (9.000 €+), hat sich die Versicherung deutlich gelohnt. Es ist eine Wette auf die eigene Zahngesundheit.
Wartezeiten und Leistungsbegrenzungen
Die meisten Zahnzusatzversicherungen haben Einschränkungen in den ersten Vertragsjahren:
- Wartezeit: Meist 8 Monate für Zahnersatz und Kieferorthopädie
- Summenbegrenzung Jahr 1: Oft nur 500–1.000 € Erstattung
- Summenbegrenzung Jahr 2: Oft 1.000–2.000 € Erstattung
- Summenbegrenzung Jahr 3–4: 2.000–4.000 € Erstattung
- Ab Jahr 5: Volle Leistung ohne Begrenzung
Das bedeutet: Wer bereits Zahnprobleme hat und schnell hohe Leistungen braucht, dem hilft eine Zahnzusatzversicherung kurzfristig kaum. Deshalb gilt: Je früher abschließen, desto besser.
Worauf Sie beim Abschluss achten sollten
- Erstattungshöhe: Mindestens 80 % für Zahnersatz, besser 90 %
- Implantate eingeschlossen: Nicht alle Tarife zahlen Implantate
- Professionelle Zahnreinigung: Gute Tarife zahlen 1–2 PZR pro Jahr
- Kein Summenlimit nach Anlaufzeit: Ab Jahr 4–5 sollte es keine Deckelung geben
- Erstattung inkl. GKV-Zuschuss: Achten Sie darauf, ob die Erstattung auf den Gesamtbetrag oder nur den Eigenanteil bezogen ist
- Altersrückstellungen: Tarife mit Altersrückstellungen steigen im Alter weniger stark
Das Bonusheft: Kostenloser Zuschuss
Unabhängig von der Zahnzusatzversicherung sollten Sie Ihr Bonusheft pflegen. Der jährliche Zahnarztbesuch wird dort gestempelt und erhöht den GKV-Festzuschuss:
- Ohne Bonusheft: 60 % Festzuschuss
- 5 Jahre lückenlos: 70 % Festzuschuss
- 10 Jahre lückenlos: 75 % Festzuschuss
Das ist bares Geld: Bei einem Implantat für 3.000 € macht der Unterschied zwischen 60 % und 75 % rund 70 € aus.