Unfallversicherung: Brauche ich das zusätzlich?
Die ehrliche Antwort
Die private Unfallversicherung ist für die meisten Arbeitnehmer mit Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) verzichtbar. Sie kann aber für bestimmte Gruppen sinnvoll sein: Kinder, Senioren, Selbstständige ohne BU und Menschen mit risikoreichen Hobbys.
Gesetzliche vs. private Unfallversicherung
Viele verwechseln die gesetzliche mit der privaten Unfallversicherung. Die Unterschiede sind fundamental:
| Merkmal | Gesetzliche UV | Private UV |
|---|---|---|
| Schutz gilt | Nur bei Arbeit, Schule, Kita und auf dem Weg dorthin | 24 Stunden, weltweit |
| Wer zahlt | Arbeitgeber (Berufsgenossenschaft) | Sie selbst |
| Leistung | Rehabilitation, Unfallrente, Sterbegeld | Einmalzahlung bei Invalidität, Unfallrente optional |
| Freizeitunfälle | Nicht gedeckt | Gedeckt |
Die große Lücke: Rund 70 % aller Unfälle passieren in der Freizeit und im Haushalt – genau dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht greift.
Wie die Leistung berechnet wird: Die Gliedertaxe
Die Gliedertaxe ist das Herzstück jeder Unfallversicherung. Sie legt fest, welcher Invaliditätsgrad bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit bestimmter Körperteile angesetzt wird:
| Körperteil | Standard-Gliedertaxe | Verbesserte Gliedertaxe |
|---|---|---|
| Arm | 70 % | 80 % |
| Hand | 55 % | 70 % |
| Daumen | 20 % | 30 % |
| Bein (oberhalb Knie) | 70 % | 80 % |
| Auge | 50 % | 60 % |
| Gehör (ein Ohr) | 30 % | 40 % |
Rechenbeispiel: Bei einer Versicherungssumme von 100.000 € und Verlust einer Hand (55 %) erhalten Sie 55.000 €. Mit 225 % Progression wären es ca. 88.000 €.
Für wen die Unfallversicherung sinnvoll ist
- Kinder: Kein gesetzlicher Freizeitschutz, hohes Unfallrisiko beim Spielen und Sport. Ab 50 € pro Jahr gut abgesichert.
- Senioren (ab 60): Höheres Sturzrisiko, oft keine BU mehr abschließbar. Die Unfallversicherung bietet zumindest einen Basisschutz.
- Selbstständige ohne BU: Wer keine BU bekommt oder sich diese nicht leisten kann, hat mit der Unfallversicherung zumindest einen Teilschutz.
- Risikosportler: Wer regelmäßig Mountainbike, Skifahren, Klettern oder andere Risikosportarten betreibt.
- Hausfrauen/-männer: Kein Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung, da kein Arbeitsverhältnis.
Wann die Unfallversicherung überflüssig ist
- Sie haben bereits eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
- Sie haben ausreichende finanzielle Rücklagen
- Sie sind Angestellter mit geringem Freizeitrisiko
Häufiger Fehler
Viele Verbraucher haben eine Unfallversicherung, aber keine BU. Das ist genau falsch herum: Nur 8 % der Berufsunfähigkeiten werden durch Unfälle verursacht. 92 % entstehen durch Krankheiten – und die deckt die Unfallversicherung nicht ab. Priorisieren Sie immer zuerst die BU.
Worauf Sie beim Abschluss achten sollten
- Grundsumme: Mindestens das 3- bis 5-fache des Jahreseinkommens
- Progression: 225–350 % empfohlen (höhere Leistung bei schweren Unfällen)
- Verbesserte Gliedertaxe: Höhere Prozentsätze pro Körperteil
- Einschluss von Infektionskrankheiten: Z.B. Zeckenbiss mit Borreliose
- Bergungskosten: Mindestens 25.000 € (bei Bergunfällen schnell erschöpft)
- Kosmetische Operationen: Mindestens 15.000 € (z.B. nach Verbrennungen)
Kosten der privaten Unfallversicherung
| Versicherungssumme | Beitrag/Jahr (Erwachsener) | Beitrag/Jahr (Kind) |
|---|---|---|
| 50.000 € | 60–120 € | 40–80 € |
| 100.000 € | 100–200 € | 60–120 € |
| 200.000 € | 180–350 € | 100–200 € |
Mit 225 % Progression. Beiträge variieren je nach Beruf und Tarif.