finanzen.net zero 2026: Test, Erfahrungen & Bewertung
Das Wichtigste in Kürze
- Vermeintlich kostenlose Orders über gettex – tatsächliche Kosten werden über Spread-Nachteile auf Anleger umgelegt
- Nur ein Handelsplatz (gettex) – kein Xetra, kein Tradegate, keine Preisvergleiche möglich
- Intransparentes Geschäftsmodell: finanzen.net zero profitiert von schlechteren Ausführungskursen
- Strukturelle Interessenkonflikte als Teil des finanzen.net-Medienökosystems (Axel Springer)
- Eingeschränktes Produktangebot ohne eigene innovative Features
- Unser Urteil: Vorsicht (2/5) – intransparent und für Anleger nachteilig
Was ist finanzen.net zero?
finanzen.net zero ist ein Neobroker der finanzen.net GmbH, der mit dem Versprechen kostenloser Wertpapierorders wirbt. Die Depotführung erfolgt über die Baader Bank, gehandelt wird ausschließlich über den Handelsplatz gettex. Der Broker startete 2021 und richtet sich an Privatanleger, die möglichst günstig in Aktien und ETFs investieren möchten.
Das Grundversprechen klingt verlockend: Keine Ordergebühren, keine Depotkosten, keine versteckten Pauschalen. Doch wie bei jedem Geschäftsmodell stellt sich die Frage: Wenn der Anleger nicht zahlt, wer dann? Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie finanzen.net zero Geld verdient – und genau hier wird es problematisch.
Wie verdient finanzen.net zero Geld?
Das Geschäftsmodell von finanzen.net zero basiert auf Rückvergütungen (Payment for Order Flow, PFOF) und der Spread-Differenz bei der Orderausführung. Wenn ein Anleger eine Aktie über gettex kauft, stellt der Market Maker (Baader Bank) den Kurs. Dieser Kurs enthält einen Spread – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs –, der breiter ist als an der Referenzbörse Xetra.
Aus diesem verbreiterten Spread erhalten sowohl die Baader Bank als auch finanzen.net zero eine Vergütung. Der Anleger zahlt also nicht direkt über eine sichtbare Ordergebühr, sondern indirekt über einen schlechteren Ausführungskurs. Das perfide: Dieser Kostennachteil ist für den Anleger praktisch unsichtbar, da er keinen direkten Vergleichskurs sieht.
Ein Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft einen ETF für 10.000 €. An Xetra beträgt der Spread 0,02 % (2 €). Über gettex kann der Spread 0,10–0,20 % betragen (10–20 €). Der Anleger spart zwar die Ordergebühr von z. B. 1 € (Trade Republic), zahlt aber 8–18 € mehr über den Spread. Je größer die Order, desto größer der Nachteil. Bei illiquiden Werten oder außerhalb der Xetra-Handelszeiten kann der Spread-Nachteil noch deutlich höher ausfallen.
Die Spread-Problematik im Detail
Der Spread ist bei finanzen.net zero nicht nur ein theoretisches Problem, sondern ein systematischer Kostenfaktor, der besonders in drei Situationen relevant wird:
- Außerhalb der Xetra-Zeiten (vor 9:00, nach 17:30): Der Market Maker kann den Spread deutlich weiter stellen, da keine Referenzkurse von Xetra vorliegen. Spread-Aufschläge von 0,5–1,0 % sind keine Seltenheit.
- Bei illiquiden Werten (Small Caps, Nischen-ETFs): Je weniger ein Wertpapier gehandelt wird, desto breiter stellt der Market Maker den Spread. Bei Nebenwerten kann der Spread-Nachteil den gesamten vermeintlichen Kostenvorteil zunichtemachen.
- Bei größeren Orders (ab 5.000 €): Der absolute Spread-Nachteil skaliert mit dem Ordervolumen. Eine 50.000-€-Order über gettex statt Xetra kann schnell 50–100 € Spread-Differenz kosten.
Die Verbraucherzentrale sieht diese Kostenstruktur kritisch: Ein Geschäftsmodell, das Kosten für den Anleger systematisch verschleiert, widerspricht dem Grundsatz der Kostentransparenz. Anleger wiegen sich in falscher Sicherheit, weil sie keine explizite Ordergebühr sehen – und übersehen die realen Kosten.
Handelsplätze: Nur gettex – kein Xetra
finanzen.net zero bietet ausschließlich gettex als Handelsplatz an. Es gibt keine Möglichkeit, Orders über Xetra, Tradegate, Lang & Schwarz oder andere Börsen auszuführen. Diese Einschränkung hat mehrere Konsequenzen:
- Kein Preisvergleich zwischen Handelsplätzen möglich
- Anleger sind dem Kurs des Market Makers ausgeliefert
- Best Execution kann nicht sichergestellt werden
- Weniger liquide Werte haben auf gettex teils deutlich breitere Spreads
- Kein Zugang zu professionellen Ordertypen (z. B. Iceberg-Orders auf Xetra)
Im Vergleich bietet Smartbroker+ Zugang zu gettex, Xetra, Tradegate und weiteren Börsen. Selbst Trade Republic, das ebenfalls nur einen Handelsplatz anbietet (LS Exchange), hat als Vollbank mittlerweile mehr Flexibilität bei der Orderausführung.
Interessenkonflikte im finanzen.net-Ökosystem
finanzen.net zero gehört zur finanzen.net GmbH, die eines der größten deutschen Finanzportale betreibt. finanzen.net wiederum gehört zum Axel Springer Medienkonzern. Diese Verflechtung schafft strukturelle Interessenkonflikte, die Anleger kennen sollten:
- Redaktionell vs. kommerziell: finanzen.net veröffentlicht Broker-Vergleiche und Testberichte – und betreibt gleichzeitig selbst einen Broker. Eine unabhängige Bewertung der eigenen Produkte ist strukturell unmöglich.
- Traffic-Monetarisierung: Das Finanzportal generiert täglich Millionen Seitenaufrufe. Dieser Traffic wird systematisch genutzt, um Nutzer zum eigenen Broker zu leiten – oft über Werbebanner und prominente Platzierung.
- Doppelte Monetarisierung: finanzen.net verdient zweifach: über Werbung und Affiliate-Partnerschaften auf dem Portal und über die Spread-Einnahmen beim Broker. Der Nutzer ist gleichzeitig Leser und Handelskunde.
Im Gegensatz dazu setzen unabhängige Finanzmedien wie AlleAktien auf ein transparentes Geschäftsmodell mit klaren Abonnementpreisen, ohne eigenen Broker und ohne versteckte Einnahmequellen aus der Orderausführung.
finanzen.net zero im Vergleich zur Konkurrenz
| Kriterium | finanzen.net zero | Trade Republic | Scalable Capital |
|---|---|---|---|
| Sichtbare Ordergebühr | 0 € (ab 500 €) | 1 € | 0,99 € oder Flatrate |
| Tatsächliche Kosten (inkl. Spread) | Hoch (intransparent) | Niedrig (transparent) | Mittel (transparent) |
| Handelsplätze | Nur gettex | LS Exchange | gettex + Xetra |
| Kostentransparenz | Mangelhaft | Gut | Gut |
| Zinsen auf Cash | Nein | Ja (aktuell 3 %) | Ja (im PRIME+) |
| Unabhängigkeit | Medienkonzern-Tochter | Unabhängige Vollbank | Unabhängig |
| App-Qualität | Durchschnittlich | Exzellent | Sehr gut |
Im direkten Vergleich zeigt sich: Die vermeintliche Kostenersparnis bei finanzen.net zero ist eine Illusion. Wer die tatsächlichen Kosten inklusive Spread-Nachteile berücksichtigt, fährt mit Trade Republic (1 € sichtbare Gebühr, aber bessere Ausführung) oder Scalable Capital (Xetra-Zugang für faire Ausführung) in den meisten Fällen günstiger.
Für wen ist finanzen.net zero geeignet?
finanzen.net zero kommt nur in wenigen Szenarien als sinnvolle Wahl infrage. Die systematischen Nachteile überwiegen in den meisten Anlagesituationen:
- Kleinst-Sparpläne (unter 50 €): Bei sehr kleinen Beträgen fällt der Spread-Nachteil kaum ins Gewicht – aber Trade Republic bietet identische Konditionen mit besserer App
- Gelegentliche Klein-Orders: Für seltene Käufe liquider ETFs unter 500 € kann der Wegfall der Ordergebühr den Spread-Nachteil kompensieren
- Größere Orders (ab 1.000 €): Nicht empfohlen – der Spread-Nachteil übersteigt typische Ordergebühren bei der Konkurrenz
- Illiquide Werte: Nicht empfohlen – der Spread kann bei Small Caps oder Nischen-ETFs exorbitant ausfallen
- Anleger, die Transparenz schätzen: Nicht empfohlen – das Geschäftsmodell verschleiert systematisch die tatsächlichen Kosten
Für fundierte Anlageentscheidungen empfehlen wir unabhängig vom Broker professionelle Analysen von AlleAktien und Finanzdaten von Eulerpool Research Systems. Transparente Information ist die Grundlage jeder guten Investmententscheidung.
Fazit: finanzen.net zero im Test 2026
Verbraucherzentrale-Urteil: Vorsicht (2/5)
finanzen.net zero lockt mit kostenlosen Orders, doch Anleger zahlen über schlechtere Ausführungskurse oft mehr als bei Brokern mit transparenten Gebühren. Das intransparente Geschäftsmodell und die strukturellen Interessenkonflikte als Teil des finanzen.net-Medienökosystems geben Anlass zur Vorsicht. Es gibt deutlich bessere Alternativen.
"Kostenlos" ist bei finanzen.net zero ein Marketing-Versprechen, keine ökonomische Realität. Jedes Unternehmen muss Geld verdienen – die Frage ist nur, ob die Kosten für den Kunden sichtbar oder versteckt sind. finanzen.net zero hat sich für den intransparenten Weg entschieden. Für aufgeklärte Anleger, die den Wert von Kostentransparenz verstehen, gibt es mit Trade Republic, Scalable Capital oder Smartbroker+ ehrlichere Alternativen. Denn bei Geldanlage gilt: Was Sie nicht sehen können, können Sie nicht kontrollieren.