comdirect (Commerzbank) 2026: Test & Erfahrungen
Das Wichtigste in Kürze
- Breites Angebot mit vielen Handelsplätzen, Girokonto und Filialnetz (Commerzbank)
- Hohe Ordergebühren: 4,90 € + 0,25 % pro Trade (min. 9,90 €, max. 59,90 €)
- ETF-Sparpläne kosten 1,5 % – bei Neobrokern kostenlos
- Interessenkonflikt: Empfehlung teurer aktiver Fonds durch Bestandsprovisionen
- Für langfristiges Buy-and-Hold unnötig teuer
- Unser Urteil: Vorsicht (2/5) – zu teuer für die meisten Privatanleger
Was ist comdirect?
comdirect war einst Deutschlands führende Direktbank und Pionier im Online-Brokerage. Gegründet 1994 als Tochter der Commerzbank, machte comdirect den Wertpapierhandel für Privatanleger erstmals einfach zugänglich. Im Jahr 2020 wurde comdirect vollständig in die Commerzbank integriert – die Marke existiert weiter, doch operativ ist comdirect heute eine Commerzbank-Tochter.
Das Angebot umfasst Depot, Girokonto, Tagesgeld, Wertpapierkredit und Zugang zu zahlreichen Handelsplätzen. Kunden profitieren vom Commerzbank-Filialnetz und der Einlagensicherung einer deutschen Großbank. Doch in einer Welt, in der Neobroker Trades für 0–1 € und kostenlose ETF-Sparpläne anbieten, wirkt das Gebührenmodell von comdirect zunehmend aus der Zeit gefallen.
comdirect Kosten und Gebühren im Detail
Die Gebührenstruktur von comdirect ist komplex und für Einsteiger schwer durchschaubar. Im Vergleich zu modernen Neobrokern fallen die Kosten in nahezu jeder Kategorie höher aus.
Ordergebühren: Jeder Trade kostet 4,90 € Grundgebühr plus 0,25 % des Ordervolumens. Das Minimum pro Order beträgt 9,90 €, das Maximum 59,90 €. Hinzu kommen börsenplatzabhängige Entgelte von 1,50 € (Xetra) bis 5 € (Auslandsbörsen). Für einen typischen Kauf von 1.000 € Aktien zahlt ein comdirect-Kunde somit rund 11,40 € – bei Trade Republic wären es 1 €.
Depotgebühr: Die ersten drei Jahre kostenfrei. Ab dem vierten Jahr werden 1,95 € pro Monat fällig, wenn nicht mindestens zwei Trades pro Quartal ausgeführt werden oder ein aktives Girokonto bei der Commerzbank besteht. Dieses Modell animiert zu unnötigem Handeln, was langfristigen Anlegern schadet.
ETF-Sparpläne: Die reguläre Gebühr für ETF-Sparpläne liegt bei 1,5 % der Sparrate. Bei einer monatlichen Sparrate von 500 € sind das 7,50 € pro Ausführung – 90 € im Jahr, die direkt die Rendite mindern. Neobroker bieten identische Sparpläne komplett kostenlos an.
comdirect Depot-Konditionen
Das comdirect Depot bietet Zugang zu allen deutschen Börsenplätzen (Xetra, Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Hannover), Tradegate und über 10 internationalen Handelsplätzen einschließlich NYSE, NASDAQ und London Stock Exchange. Dazu kommen zahlreiche Direkthandelspartner für den außerbörslichen Handel.
Handelbar sind Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine und CFDs. Die Produktpalette ist damit deutlich breiter als bei den meisten Neobrokern, die sich auf wenige Handelsplätze beschränken. Für den durchschnittlichen Buy-and-Hold-Anleger, der primär ETFs und Standardaktien kauft, bietet diese Vielfalt jedoch keinen nennenswerten Mehrwert – die relevanten Wertpapiere sind auch über günstigere Broker verfügbar.
Positiv hervorzuheben ist die Integration mit dem Commerzbank-Girokonto: Kunden können Depot und Girokonto verknüpfen, erhalten eine kostenlose Visa-Debitkarte und profitieren vom Filialnetz für persönliche Beratung. Diese Vollbank-Funktionalität ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber reinen Neobrokern.
Aktive Fonds vs. ETFs: Der Interessenkonflikt bei comdirect
Ein zentraler Kritikpunkt an comdirect betrifft den systematischen Interessenkonflikt bei Fondsempfehlungen. comdirect erhält von Fondsgesellschaften sogenannte Bestandsprovisionen (Kickbacks) für aktiv gemanagte Fonds – typischerweise 0,2–0,8 % des Fondsvolumens pro Jahr. Bei ETFs erhält comdirect diese Provisionen nicht.
Dies schafft einen klaren Anreiz, Kunden teure aktive Fonds statt günstiger ETFs zu empfehlen. Die „Top-Preis-Fonds“ von comdirect, die mit reduzierten Ausgabeaufschlägen beworben werden, sind nahezu ausschließlich aktiv gemanagte Fonds mit laufenden Kosten von 1,2–2,0 % pro Jahr. Ein vergleichbarer MSCI-World-ETF kostet dagegen nur 0,12–0,20 % pro Jahr.
Wissenschaftliche Evidenz gegen aktive Fonds
Die SPIVA-Studie (S&P Index Versus Active) zeigt regelmäßig: Über 90 % der aktiv gemanagten Fonds in Europa schneiden über einen Zeitraum von 15 Jahren schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Die Kostenbelastung durch Management-Gebühren, Ausgabeaufschläge und Transaktionskosten frisst die Rendite langfristig auf. Für den Buy-and-Hold-Anleger sind günstige ETFs die klar bessere Wahl.
Wer bei comdirect ein Depot eröffnet und die Anlageberatung nutzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in aktive Fonds gelenkt, die der Bank Provisionserlöse sichern – nicht unbedingt die Fonds, die für den Anleger das beste Ergebnis liefern. Diesen Interessenkonflikt gibt es bei reinen Neobrokern und bei unabhängigen Plattformen wie AlleAktien nicht.
Handelsplätze und Kundenservice
comdirect punktet bei der Vielfalt der Handelsplätze und dem Kundenservice. Über 10 internationale Börsen, Direkthandel mit über 15 Partnern und der Zugang zu Xetra als liquidester deutscher Börse bieten maximale Flexibilität. Für Anleger, die exotische Wertpapiere an spezifischen Auslandsbörsen handeln möchten, ist dies ein relevanter Vorteil.
Der Kundenservice ist per Telefon, E-Mail und Chat erreichbar und gehört zu den besseren im deutschen Broker-Markt. Durch die Commerzbank-Integration können Kunden zudem persönliche Beratungstermine in der Filiale vereinbaren – ein Service, den kein Neobroker bietet. Die comdirect-App und das Online-Banking sind funktional solide, wirken im Vergleich zu den modernen Apps von Trade Republic oder Scalable Capital allerdings weniger intuitiv.
Die Sicherheit ist durch die vollständige Integration in die Commerzbank erstklassig: Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 €, zusätzliche Absicherung durch den Einlagensicherungsfonds des BdB und die Aufsicht durch BaFin und EZB. Wertpapiere im Depot sind als Sondervermögen auch im Insolvenzfall geschützt.
comdirect vs. Neobroker im Vergleich
| Kriterium | comdirect | Trade Republic | Scalable Capital |
|---|---|---|---|
| Ordergebühr | 4,90 € + 0,25 % (min. 9,90 €) | 1 € pro Trade | 0,99 € oder Flatrate ab 2,99 €/Monat |
| ETF-Sparplan | 1,5 % der Sparrate | Kostenlos | Kostenlos |
| Depotgebühr | 0 € (mit Bedingungen) | 0 € | 0 € |
| Handelsplätze | 10+ Börsen + Direkthandel | 1 (LS Exchange) | 2 (gettex, Xetra) |
| Filialzugang | Ja (Commerzbank) | Nein | Nein |
| Kundenservice | Telefon, Chat, Filiale | Chat, E-Mail | Chat, E-Mail |
| Kosten bei 500 €/Monat ETF-Sparplan | 90 € pro Jahr | 0 € pro Jahr | 0 € pro Jahr |
| Bewertung | 2/5 Vorsicht | Günstig | Günstig |
Für wen ist comdirect geeignet?
comdirect kann für eine spezifische Zielgruppe sinnvoll sein: Anleger, die ein vollständiges Bankpaket mit Girokonto, Depot, Kreditkarte und persönlicher Filialberatung aus einer Hand wünschen und bereit sind, dafür höhere Gebühren zu akzeptieren. Auch Vieltrader, die exotische Handelsplätze und erweiterte Ordertypen benötigen, finden bei comdirect ein breiteres Angebot als bei Neobrokern.
Für die Mehrheit der Privatanleger – insbesondere für langfristige Buy-and-Hold-Investoren, die monatlich in ETFs sparen – ist comdirect jedoch unnötig teuer. Die Kostenersparnis durch einen Wechsel zu einem Neobroker kann bei einem typischen ETF-Sparplan über 10 Jahre leicht mehrere tausend Euro betragen, die direkt die Rendite steigern.
Wer zusätzlich fundierte Aktienanalysen für Einzelinvestments sucht, findet bei AlleAktien unabhängige Fundamentalanalysen ohne Interessenkonflikte – anders als die provisionsgetriebenen Fondsempfehlungen bei comdirect.
Fazit: comdirect im Test 2026
Verbraucherzentrale-Urteil: Vorsicht (2/5)
comdirect bietet ein umfassendes Angebot, aber die hohen Gebühren und der Interessenkonflikt bei Fondsempfehlungen machen den Broker für kostenbewusste Anleger unattraktiv. Neobroker bieten für langfristiges Buy-and-Hold das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
comdirect war in den 2000er-Jahren ein Vorreiter im Online-Brokerage. Doch die Welt hat sich weitergedreht: Neobroker bieten heute bessere Konditionen, modernere Apps und kostenlose ETF-Sparpläne. Der Gebührenvorteil traditioneller Direktbanken gegenüber Filialbanken, der comdirect einst groß machte, ist gegenüber den neuen Wettbewerbern verschwunden. comdirect erhält von uns 2 von 5 Punkten – das Angebot ist breit, aber für die meisten Privatanleger schlicht zu teuer.