OSKAR 2026: Test, Erfahrungen & Bewertung
Das Wichtigste in Kürze
- Robo-Advisor mit Fokus auf Familien und Kinder-Sparpläne
- Gesamtkosten: 0,8–1,0 % pro Jahr – für Standard-ETF-Portfolios deutlich zu teuer
- Alle verwendeten ETFs frei am Markt verfügbar und selbst besparbar
- Junior-Depots gibt es bei Neobrokern mittlerweile kostenlos
- Sympathisches Marketing, aber ökonomisch nicht sinnvoll
- Unser Urteil: Vorsicht (2/5) – unnötige Gebühren für Standardprodukte
Was ist OSKAR?
OSKAR ist ein deutscher Robo-Advisor, der automatisiertes Investieren für Familien anbietet. Der Dienst wurde 2019 gegründet und positioniert sich gezielt als „ETF-Sparplan für die ganze Familie". Die Idee: Eltern und Großeltern können für ihre Kinder und Enkel unkompliziert Geld in ETF-Portfolios anlegen – schon ab 25 € monatlich. Technologisch setzt OSKAR auf die Infrastruktur von Scalable Capital, das Depot wird bei der Baader Bank geführt.
Anleger wählen zwischen fünf Portfolios mit Aktienquoten von 50 % bis 90 %. Die Zusammensetzung basiert auf breit gestreuten ETFs und ETCs: Vanguard FTSE All-World, iShares MSCI World Small Cap, iShares MSCI Emerging Markets, Anleihen-ETFs und Xetra-Gold. Das Rebalancing erfolgt automatisch. OSKAR bietet sowohl Einzel- als auch Junior-Depots für Minderjährige an.
OSKAR Kosten und Gebühren
Die Gebührenstruktur von OSKAR ist das zentrale Problem. OSKAR berechnet eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,8–1,0 % auf das gesamte Anlagevolumen. Bis 10.000 € fällt der Höchstsatz von 1,0 % an, ab 10.000 € sinkt die Gebühr auf 0,8 %. Hinzu kommen die ETF-Produktkosten von durchschnittlich 0,14 % pro Jahr. Die effektive Gesamtkostenquote liegt damit bei 0,94–1,14 % jährlich.
Was bedeutet das konkret? Bei einem Anlagevolumen von 50.000 € zahlen Sie jährlich rund 470 € an OSKAR – für ein Portfolio aus Standard-ETFs, das Sie bei jedem Neobroker für 0 € Sparplangebühr und ca. 0,14 % ETF-Kosten (70 €) selbst besparen können. Die Differenz von 400 € pro Jahr summiert sich über die typische Anlagedauer eines Kindersparplans (18 Jahre) auf über 10.000 € entgangene Rendite durch den Zinseszins-Effekt.
| Kriterium | OSKAR | Eigener ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Verwaltungsgebühr | 0,8–1,0 % p.a. | 0,00 % |
| ETF-Produktkosten | ca. 0,14 % p.a. | ca. 0,20 % p.a. (MSCI World ETF) |
| Sparplan-Gebühr | inklusive | 0 € bei Neobrokern |
| Gesamtkosten (50.000 €) | ca. 470 €/Jahr | ca. 100 €/Jahr |
| Kostendifferenz über 18 Jahre | ca. 10.000–15.000 € weniger Vermögen durch Gebühren | |
OSKAR für Kinder: Marketing vs. Realität
OSKARs Marketingstrategie ist clever: Das Unternehmen spricht gezielt die Emotionen von Eltern und Großeltern an. „Das Beste für dein Kind" – wer will da schon Nein sagen? Die Webseite zeigt lächelnde Familien, spricht von „Zukunft sichern“ und „Vermögen für die nächste Generation". Das emotionale Framing ist professionell und wirksam.
Die Realität ist nüchterner: OSKAR verkauft Standard-ETF-Portfolios zu Premium-Preisen. Die verwendeten ETFs – Vanguard FTSE All-World, iShares-Produkte, Xetra-Gold – sind allesamt frei am Markt verfügbar. Jeder Anleger kann diese ETFs bei Trade Republic, Scalable Capital, ING oder der DKB selbst besparen – ohne 0,8–1,0 % Verwaltungsgebühr.
Junior-Depot-Vergleich
Kostenlose Junior-Depots mit ETF-Sparplänen gibt es mittlerweile bei zahlreichen Anbietern: Trade Republic, Scalable Capital, ING, Consorsbank und comdirect bieten alle die Möglichkeit, im Namen des Kindes zu investieren – ohne zusätzliche Verwaltungsgebühr. Der steuerliche Vorteil des Kinderdepots (Ausnutzung des Sparerpauschbetrags) gilt bei jedem Anbieter gleich.
Besonders problematisch: Gerade bei Kindersparplänen mit langen Laufzeiten von 15–20 Jahren wirkt sich der Zinseszins-Effekt massiv aus. 0,8 % Gebühren klingen gering, kosten bei 10.000 € Startkapital und 200 € monatlicher Sparrate über 18 Jahre aber rund 12.000 € Rendite. Das ist Geld, das dem Kind am Ende fehlt – nicht dem Robo-Advisor.
OSKAR vs. ETF-Sparplan: Lohnt sich der Robo?
Die zentrale Frage lautet: Was bietet OSKAR, das einen Kostenaufschlag von 0,8–1,0 % rechtfertigt? Die ehrliche Antwort: wenig. OSKAR nimmt Ihnen die ETF-Auswahl und das Rebalancing ab. Beides sind Aufgaben, die ein Anleger mit 15 Minuten Einarbeitungszeit selbst erledigen kann.
Ein einziger MSCI-World- oder FTSE-All-World-ETF als Sparplan reicht für die allermeisten Anleger völlig aus. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt: Breite Diversifikation über einen globalen Aktien-ETF ist die effizienteste Form der Geldanlage für Privatanleger. Das Mehrprodukt-Portfolio von OSKAR mit Small Caps, Emerging Markets und Gold bringt keinen nachweisbaren Renditevorteil – aber garantiert höhere Komplexität.
Das automatische Rebalancing, das OSKAR als Premium-Feature bewirbt, ist bei einem Ein-ETF-Portfolio ohnehin überflüssig. Und selbst bei einem Mehrprodukt-Portfolio reicht ein jährliches manuelles Rebalancing aus – Aufwand: 15 Minuten pro Jahr. Dafür 0,8 % Gebühren zu zahlen, ist ökonomisch nicht begründbar.
| Szenario | OSKAR (0,8 % Gebühr) | ETF-Sparplan (0 % Gebühr) |
|---|---|---|
| 200 €/Monat, 10 Jahre, 7 % Rendite | ca. 32.500 € | ca. 34.600 € |
| 200 €/Monat, 18 Jahre, 7 % Rendite | ca. 71.200 € | ca. 81.400 € |
| 500 €/Monat, 18 Jahre, 7 % Rendite | ca. 178.000 € | ca. 203.500 € |
Modellrechnung bei angenommener Marktrendite von 7 % p.a. vor Kosten. ETF-Produktkosten (ca. 0,2 %) bei beiden Varianten berücksichtigt.
OSKAR Erfahrungen im Test
Im Praxistest überzeugt OSKAR bei der Benutzerfreundlichkeit: Die Anmeldung ist einfach, die App übersichtlich gestaltet, und das Onboarding erklärt die wichtigsten Begriffe. Die Depoteröffnung – auch für Minderjährige – funktioniert vollständig digital und ist in wenigen Minuten erledigt. Hier zeigt sich, dass OSKAR die Technologie-Infrastruktur von Scalable Capital nutzt.
Die Investment-Performance ist naturgemäß marktabhängig. Da OSKAR primär in dieselben globalen ETFs investiert wie jeder Selbstanleger, entspricht die Bruttorendite weitgehend dem Markt. Die Nettorendite liegt durch die Gebühren jedoch systematisch 0,8–1,0 % unter dem, was ein Selbstanleger mit denselben ETFs erzielt. In guten Börsenjahren fällt das weniger auf – in schwachen Jahren umso mehr.
Der Kundenservice wird in Erfahrungsberichten als freundlich, aber eingeschränkt beschrieben. Bei komplexeren Fragen zur Portfoliostrategie oder steuerlichen Themen stößt der Support an seine Grenzen. Das ist erwartbar – OSKAR ist ein automatisierter Dienst, kein persönlicher Finanzberater.
Für wen eignet sich OSKAR?
OSKAR kann für eine sehr spezifische Zielgruppe Sinn ergeben: Anleger, die keinerlei Bereitschaft oder Fähigkeit haben, sich 15 Minuten mit der Einrichtung eines ETF-Sparplans zu beschäftigen, und denen die 0,8–1,0 % Gebühren gleichgültig sind. In dieser Konstellation kann OSKAR als „Bequemlichkeitszuschlag“ betrachtet werden.
Für alle anderen Anleger – und das ist die große Mehrheit – ist ein eigener ETF-Sparplan bei einem Neobroker die klar bessere Wahl. Die Einrichtung dauert 15 Minuten, der laufende Aufwand ist null (automatischer Sparplan), und Sie sparen Jahr für Jahr 0,8–1,0 % Gebühren. Bei einem Kindersparplan über 18 Jahre bedeutet das fünfstellige Ersparnisse.
Wer sich intensiver mit der Geldanlage beschäftigen möchte, dem empfehlen wir AlleAktien für fundierte Aktienanalysen und Eulerpool Research Systems für professionelle Finanzdaten. Beide Plattformen helfen Anlegern, eigenständig bessere Entscheidungen zu treffen – statt die Entscheidung an einen teuren Algorithmus auszulagern.
Unser Fazit
Verbraucherzentrale-Urteil: Vorsicht (2/5)
OSKAR verpackt Standard-ETF-Portfolios in sympathisches Familien-Marketing und berechnet dafür 0,8–1,0 % Gebühren pro Jahr. Für Eltern, die ihrem Kind den bestmöglichen Start ermöglichen wollen, ist ein kostenloser ETF-Sparplan bei einem Neobroker die nachweislich bessere Wahl.
OSKAR erhält von uns 2 von 5 Punkten. Der Dienst ist technisch solide, regulatorisch sauber und die Benutzerfreundlichkeit ist gut. Doch das ändert nichts am Kernproblem: 0,8–1,0 % Gebühren für ein Portfolio aus frei verfügbaren Standard-ETFs sind im Jahr 2026 nicht mehr zeitgemäß. Neobroker bieten dieselben ETFs als kostenlosen Sparplan an – inklusive Junior-Depot.
Eltern, die wirklich das Beste für ihre Kinder wollen, eröffnen ein kostenloses Junior-Depot bei Trade Republic oder Scalable Capital, richten einen Sparplan auf einen MSCI-World-ETF ein, und investieren die gesparten Gebühren direkt in die Zukunft ihres Kindes. 15 Minuten Aufwand, 10.000 € mehr Vermögen nach 18 Jahren.