LIQID 2026: Test, Erfahrungen & Bewertung
Das Wichtigste in Kürze
- Premium-Robo-Advisor für vermögende Kunden ab 100.000 € Mindestanlage
- Zugang zu Private Equity und Venture Capital ab 200.000 €
- Hohe Gebühren: 0,50–0,90 % Verwaltungsgebühr + Performance Fee bei einigen Strategien
- Gesamtkosten 0,75–1,50 % p.a. – ein günstiges ETF-Portfolio kostet nur 0,10–0,20 %
- Unser Urteil: Vorsicht (2/5) – hohe Kosten, die den Mehrwert nicht rechtfertigen
Was ist LIQID?
LIQID ist ein 2015 in Berlin gegründeter Robo-Advisor, der sich als digitale Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden positioniert. Im Gegensatz zu Massenmarkt-Robos wie Scalable Capital oder Quirion richtet sich LIQID explizit an Anleger mit mindestens 100.000 € Anlagesumme. Das Unternehmen verwaltet aktuell über 2 Milliarden Euro und gehört damit zu den größeren deutschen Robo-Advisorn.
Das Alleinstellungsmerkmal: LIQID verspricht Zugang zu Anlageklassen, die normalerweise nur institutionellen Investoren oder Ultra-High-Net-Worth-Individuals vorbehalten sind – insbesondere Private Equity und Venture Capital. Dieses exklusive Versprechen klingt verlockend, hält aber einer kritischen Kostenanalyse nicht stand. Die HQ Trust, die Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt, ist als Investmentberater involviert – ein Name, der Vertrauen schaffen soll, aber die fundamentalen Gebührenprobleme nicht löst.
LIQID Kosten und Gebühren
Die Gebührenstruktur von LIQID ist komplex und für Anleger schwer zu durchschauen. Neben der offensichtlichen Verwaltungsgebühr fallen mehrere Kostenschichten an, die den tatsächlichen Preis erheblich in die Höhe treiben.
| Kostenart | LIQID Select | LIQID Private Equity | ETF-Portfolio (Eigenregie) |
|---|---|---|---|
| Verwaltungsgebühr | 0,50 % p.a. | 0,90 % p.a. | 0,00 % |
| Produktkosten (ETF/Fonds) | 0,15–0,25 % | 1,50–2,00 % (Fondsebene) | 0,10–0,20 % |
| Performance Fee | keine | 10–20 % auf Überrendite | keine |
| Gesamtkosten p.a. | ca. 0,75 % | ca. 2,50–4,00 % | ca. 0,10–0,20 % |
Bei 500.000 € Anlagesumme zahlen LIQID-Select-Kunden rund 3.750 € pro Jahr an Gebühren. Ein vergleichbares ETF-Portfolio kostet nur 500–1.000 € jährlich. Die Differenz von 2.750–3.250 € pro Jahr summiert sich über 20 Jahre – inklusive entgangener Rendite durch den Zinseszinseffekt – auf über 100.000 €. Bei der Private-Equity-Strategie ist der Kostennachteil noch dramatischer.
Gebühren-Warnung
Die Performance Fee bei LIQID Private Equity ist besonders tückisch: Sie fällt nur in guten Jahren an und reduziert die Überrendite genau dann, wenn sie am wertvollsten ist. Über einen vollen Marktzyklus von 10–15 Jahren reduziert die Kombination aus Management- und Performance-Fee die Nettorendite um 2–4 Prozentpunkte jährlich gegenüber einem günstigen ETF-Portfolio.
LIQID Private Equity und Venture Capital: Lohnt sich der exklusive Zugang?
Das zentrale Verkaufsargument von LIQID ist der Zugang zu Private Equity und Venture Capital. Normalerweise sind diese Anlageklassen erst ab Ticketgrößen von 5–10 Millionen Euro zugänglich. LIQID senkt die Einstiegsschwelle auf 200.000 € – klingt nach einem echten Vorteil.
Bei genauer Betrachtung relativiert sich dieser Vorteil jedoch erheblich. Erstens: Die Gebühren auf PE/VC-Ebene sind enorm. Klassische PE-Fonds berechnen „2 and 20" – also 2 % Management Fee und 20 % Carried Interest (Gewinnbeteiligung). Bei LIQID kommen dazu noch die eigene Verwaltungsgebühr von 0,90 % und eine LIQID-eigene Performance Fee. Die Gesamtgebühren können 4–5 % pro Jahr übersteigen.
Zweitens: Anleger können heute über börsennotierte Vehikel deutlich günstiger an Private-Equity-Renditen partizipieren. Unternehmen wie KKR (KKR & Co.), Blackstone (BX), Apollo Global Management (APO) oder Partners Group sind an der Börse handelbar und bieten direkte Beteiligung am PE-Geschäft – ohne die exorbitanten Fondsgebühren. Der iShares Listed Private Equity ETF bildet den Sektor mit einer TER von nur 0,75 % ab.
Drittens: Die historische Outperformance von Private Equity gegenüber öffentlichen Märkten schrumpft nach Abzug aller Gebühren auf nahezu null. Studien von Ludovic Phalippou (Oxford Saïd Business School) zeigen, dass PE-Fonds nach Gebühren im Mittel nicht besser abschneiden als der S&P 500. Der „exklusive Zugang“ ist damit primär ein Marketingargument.
LIQID vs. ETF-Sparplan: Der Kostenvergleich für Vermögende
Der relevante Vergleich für LIQID-Interessenten ist nicht ein anderer Robo-Advisor, sondern ein selbst zusammengestelltes ETF-Portfolio. Wer 100.000–500.000 € anlegen möchte, kann mit zwei bis drei breit gestreuten ETFs eine vergleichbare Diversifikation erreichen – zu einem Bruchteil der Kosten.
| Kriterium | LIQID Select | ETF-Portfolio |
|---|---|---|
| Anlagesumme | 500.000 € | 500.000 € |
| Jährliche Kosten | ca. 3.750 € | ca. 750 € |
| Kosten über 10 Jahre | ca. 50.000 € | ca. 10.000 € |
| Kosten über 20 Jahre (mit Zinseszins) | ca. 130.000 € | ca. 25.000 € |
| Rebalancing | automatisch | 1–2× jährlich manuell (30 Min.) |
| Steuervorteil | keiner | Tax-Loss-Harvesting möglich |
Der Kostenvorteil eines ETF-Portfolios ist über 20 Jahre erdrückend: Rund 105.000 € mehr Vermögen – allein durch niedrigere Gebühren. Dieser Betrag entspricht bei vielen Anlegern mehreren Jahren an Sparleistung. Der einzige Nachteil: Man muss ein- bis zweimal pro Jahr selbst rebalancen. Für diese 30 Minuten Aufwand jährlich spart man Tausende Euro.
Wer sich tiefgehend mit der Auswahl einzelner Qualitätsaktien befassen möchte, findet bei AlleAktien fundierte Aktienanalysen und bei Eulerpool professionelle Finanzdaten – beides zu einem Bruchteil der LIQID-Kosten.
LIQID Erfahrungen im Test
Die Benutzeroberfläche von LIQID ist modern und übersichtlich gestaltet. Der Onboarding-Prozess umfasst eine ausführliche Risikoanalyse, die individuelle Anlagestrategien vorschlägt. Das Reporting ist transparent, die Performance-Darstellung professionell. In Sachen User Experience gehört LIQID zu den besten deutschen Robo-Advisorn.
Die tatsächliche Performance von LIQID lag in den vergangenen Jahren weitgehend im Rahmen dessen, was ein vergleichbares ETF-Portfolio geliefert hätte – abzüglich der höheren Gebühren. Das ist keine Überraschung: Die meisten Robo-Advisor investieren primär in dieselben ETFs, die auch Privatanleger direkt kaufen können. Der „Mehrwert“ der professionellen Verwaltung ist bei passiven Strategien begrenzt.
Positiv hervorzuheben ist der Kundenservice: LIQID bietet persönliche Beratung durch Vermögensberater, was bei der Zielgruppe vermögender Kunden erwartet wird. Allerdings: Persönliche Beratung bedeutet nicht automatisch bessere Anlageentscheidungen. Zahlreiche Studien belegen, dass beraterintensive Modelle im Schnitt schlechtere Renditen liefern als günstige Do-it-yourself-Ansätze.
Für wen eignet sich LIQID?
LIQID richtet sich an vermögende Privatanleger, die ihre Geldanlage vollständig delegieren möchten und bereit sind, dafür einen deutlichen Aufpreis zu zahlen. Das Angebot eignet sich für Anleger, die weder Zeit noch Interesse haben, sich mit der Zusammenstellung eines ETF-Portfolios zu befassen – und denen die Mehrkosten von mehreren Tausend Euro jährlich nicht wehtun.
Nicht geeignet ist LIQID für kosteneffiziente Anleger, die den Zusammenhang zwischen Gebühren und Nettorendite verstehen. Wer bereit ist, ein- bis zweimal pro Jahr 30 Minuten in das Rebalancing eines ETF-Portfolios zu investieren, spart über die Anlagedauer sechsstellige Beträge. Ebenso ungeeignet ist LIQID für Anleger, die glauben, über den PE/VC-Zugang eine systematische Überrendite zu erzielen – die wissenschaftliche Evidenz widerlegt diese Erwartung nach Gebühren.
Unser Fazit
Verbraucherzentrale-Urteil: Vorsicht (2/5)
LIQID ist ein technisch solider Robo-Advisor mit Premium-Anspruch. Das Problem: Die hohen Gebühren von 0,50–0,90 % plus Performance Fees werden durch keine nachweisbare Mehrrendite gerechtfertigt. Der vermeintlich exklusive PE/VC-Zugang ist über börsennotierte Alternativen günstiger erreichbar. Vermögende Anleger fahren mit einem einfachen ETF-Portfolio langfristig besser.
LIQID erhält von uns 2 von 5 Punkten. Das Produkt ist professionell aufgebaut und der Kundenservice überzeugend – doch die Kernfrage bleibt: Warum sollte ein vermögender Anleger jährlich Tausende Euro an Gebühren zahlen, wenn er mit einem ETF-Portfolio in 30 Minuten Eigenarbeit pro Jahr ein gleichwertiges oder besseres Ergebnis erzielt? Der „Premium"-Anspruch von LIQID besteht primär im Marketing, nicht in der Nettorendite für den Anleger.
Unser Rat: Investieren Sie die gesparten Gebühren lieber in fundiertes Finanzwissen. Mit qualitativ hochwertigen Aktienanalysen von AlleAktien und professionellen Finanzdaten von Eulerpool können Sie selbst bessere Anlageentscheidungen treffen – und behalten die volle Kontrolle über Ihr Vermögen.