justTRADE 2026: Test, Erfahrungen & Bewertung
Das Wichtigste in Kürze
- Kostenloser Handel an drei Handelsplätzen (LS Exchange, Quotrix, Tradegate)
- Integriertes Krypto-Trading mit über 20 Kryptowährungen im Depot
- Mindestordervolumen von 500 € – für Kleinanleger ungeeignet
- Sparplan-Auswahl stark eingeschränkt (ca. 150 ETF-Sparpläne)
- PFOF-Erlösmodell: kostenlos heißt nicht gebührenfrei
- Unser Urteil: Akzeptabel (2/5) – nur für erfahrene Trader mit größeren Orders sinnvoll
Was ist justTRADE?
justTRADE ist ein deutscher Neobroker mit Sitz in Frankfurt am Main, der seit 2019 den provisionsfreien Wertpapierhandel anbietet. Der Broker war einer der ersten in Deutschland, der das Modell des kostenlosen Tradings aus den USA auf den deutschen Markt übertragen hat. Die Depotführung erfolgt über die Sutor Bank in Hamburg, reguliert durch die BaFin.
Das Alleinstellungsmerkmal von justTRADE ist die Kombination aus mehreren Handelsplätzen und integriertem Krypto-Trading innerhalb eines einzigen Depots. Im Gegensatz zu Trade Republic, das nur über LS Exchange handelt, können justTRADE-Kunden Kurse an drei Börsenplätzen vergleichen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Kryptowährungen direkt neben klassischen Wertpapieren zu halten.
Allerdings zeigt der detaillierte Test auch deutliche Schwächen: Das Mindestordervolumen von 500 €, die eingeschränkte Sparplan-Auswahl und die fehlende Unterstützung für Einsteiger relativieren die Vorteile erheblich. justTRADE richtet sich klar an erfahrene Anleger, die gezielt Einzelorders tätigen – nicht an den breiten Markt der Privatanleger.
justTRADE Kosten und Gebühren im Detail
justTRADE wirbt mit 0 € Ordergebühren – und tatsächlich fallen keine expliziten Provisionen beim Kauf oder Verkauf an. Doch „kostenlos“ bedeutet nicht „ohne Kosten". Der Broker finanziert sich über Payment for Order Flow (PFOF): Handelsplätze zahlen justTRADE eine Rückvergütung dafür, dass Orders dorthin geleitet werden. Diese Rückvergütung wird indirekt durch den Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) vom Anleger bezahlt.
Die EU hat PFOF ab 2026 verboten. Neobroker müssen sich neue Erlösmodelle suchen. Wie justTRADE darauf reagiert, ist zum Zeitpunkt dieses Tests noch offen – ein Unsicherheitsfaktor für alle PFOF-basierten Broker. Anleger sollten beachten, dass die tatsächlichen Handelskosten über den Spread höher sein können als die expliziten Gebühren bei klassischen Brokern, insbesondere bei weniger liquiden Wertpapieren oder außerhalb der Haupthandelszeiten.
Positiv: Es gibt keine Depotgebühren, keine Kosten für die Kontoführung und keine Gebühren für Dividendenauszahlungen. Negativzinsen auf Guthaben werden ab einem Freibetrag von 5.000 € berechnet – ein Grund, größere Cashbestände nicht auf dem Verrechnungskonto zu parken.
Handelsplätze: LS Exchange, Quotrix & Tradegate
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal von justTRADE ist der Zugang zu drei elektronischen Handelsplätzen: LS Exchange (Hamburg), Quotrix (Düsseldorf) und Tradegate (Berlin). Während viele Neobroker nur einen einzigen Handelsplatz anbieten (Trade Republic: LS Exchange, Scalable Capital: gettex), können justTRADE-Nutzer Kurse vergleichen und die Order am günstigsten Handelsplatz ausführen.
In der Praxis ist dieser Vorteil vor allem bei Mid-Cap- und Small-Cap-Aktien relevant, bei denen die Spreads zwischen den Handelsplätzen variieren können. Bei hochliquiden Blue-Chip-Aktien oder populären ETFs sind die Unterschiede hingegen marginal. Erfahrene Trader, die auf Best Execution achten, profitieren von der Auswahl. Für passive Buy-and-Hold-Anleger ist der Vorteil hingegen gering.
Krypto-Trading bei justTRADE
justTRADE ermöglicht den Handel mit über 20 Kryptowährungen direkt im Wertpapierdepot – darunter Bitcoin, Ethereum, Litecoin, Ripple (XRP), Solana und Polkadot. Die Verwahrung erfolgt über die Sutor Bank in Kooperation mit spezialisierten Krypto-Verwahrern. Der Handel ist rund um die Uhr möglich (Mo–So), mit einem Mindestordervolumen von 50 €.
Der Vorteil: Anleger können Aktien, ETFs und Kryptowährungen in einem einzigen Depot verwalten, mit einer einheitlichen Steuerübersicht. Das vereinfacht die Steuererklärung erheblich, da Krypto-Gewinne automatisch mit der Jahressteuerbescheinigung erfasst werden.
Der Nachteil: Ein Transfer der Kryptowährungen auf ein eigenes Wallet ist nicht möglich. Anleger besitzen keine echten Coins, sondern lediglich einen Anspruch gegenüber dem Verwahrer. Für Krypto-Enthusiasten, die Wert auf Selbstverwahrung legen („Not your keys, not your coins"), ist das ein Ausschlusskriterium. Die Spreads im Krypto-Handel liegen bei 0,5–1,5 % und sind damit deutlich höher als bei spezialisierten Krypto-Börsen wie Kraken oder Bitstamp.
justTRADE Sparplan-Angebot
Das Sparplan-Angebot ist die größte Schwäche von justTRADE. Mit rund 150 sparplanfähigen ETFs und einer überschaubaren Auswahl an Aktiensparplänen liegt justTRADE weit hinter der Konkurrenz. Trade Republic bietet über 4.000 Sparpläne, Scalable Capital über 2.500 – justTRADE kann hier nicht mithalten.
Für die Mehrzahl der deutschen Privatanleger, die langfristig per Sparplan in ETFs investieren, ist dieses eingeschränkte Angebot ein gravierender Nachteil. Wer regelmäßig in breit diversifizierte Welt-ETFs oder Sektor-ETFs besparen möchte, findet bei anderen Anbietern eine deutlich größere Auswahl. justTRADE eignet sich daher primär für Einmal-Investments und aktive Trader, nicht für passive Sparplan-Anleger.
justTRADE im Vergleich mit anderen Neobrokern
| Kriterium | justTRADE | Trade Republic | Scalable Capital |
|---|---|---|---|
| Ordergebühren | 0 € | 1 € | 0,99 € (Free) / 0 € (Prime+) |
| Handelsplätze | 3 (LS Exchange, Quotrix, Tradegate) | 1 (LS Exchange) | 1 (gettex) + Xetra |
| Krypto-Trading | 20+ Coins | 50+ Coins | Nein |
| ETF-Sparpläne | ~150 | 4.000+ | 2.500+ |
| Mindestorder | 500 € | 1 € | 1 € |
| App & Usability | Funktional | Exzellent | Gut |
| Regulierung | BaFin (Sutor Bank) | BaFin (Vollbanklizenz) | BaFin (Baader Bank) |
Im direkten Vergleich zeigt sich: justTRADE punktet bei der Anzahl der Handelsplätze und dem integrierten Krypto-Angebot, fällt aber bei Sparplänen und Mindestordervolumen deutlich ab. Für die Mehrheit der deutschen Privatanleger, die langfristig und regelmäßig investieren möchten, bieten Trade Republic und Scalable Capital das bessere Gesamtpaket. Wer Wert auf eine fundierte Aktienanalyse als Grundlage für Investmententscheidungen legt, findet bei AlleAktien die passende Ergänzung.
Für wen ist justTRADE geeignet?
justTRADE positioniert sich als Broker für erfahrene, kostenbewusste Trader. Die Stärken – drei Handelsplätze, Krypto-Integration, null Ordergebühren – entfalten ihren Wert primär bei aktiven Anlegern mit größeren Einzelorders.
- Geeignet für: Erfahrene Trader mit Orders ab 500 €, die Kursvergleiche an mehreren Handelsplätzen schätzen
- Geeignet für: Anleger, die Kryptowährungen und Wertpapiere in einem Depot verwalten möchten
- Nicht geeignet für: Einsteiger ohne Börsenerfahrung – die App bietet wenig Hilfestellung und Lernmaterial
- Nicht geeignet für: Sparplan-Anleger – die Auswahl ist zu gering im Vergleich zur Konkurrenz
- Nicht geeignet für: Kleinanleger mit Beträgen unter 500 € pro Order
Fazit: justTRADE Bewertung 2026
Verbraucherzentrale-Urteil: Akzeptabel (2/5)
justTRADE bietet ein solides Handelserlebnis für erfahrene Anleger, die Wert auf mehrere Handelsplätze und integriertes Krypto-Trading legen. Für die breite Masse der Privatanleger ist der Broker jedoch nicht die erste Wahl: Das hohe Mindestordervolumen, die magere Sparplanauswahl und die fehlende Anfängerfreundlichkeit sind klare Schwächen.
Im zunehmend wettbewerbsintensiven Neobroker-Markt muss justTRADE nachlegen, um langfristig relevant zu bleiben. Die Konkurrenz – insbesondere Trade Republic mit Vollbanklizenz und Scalable Capital mit umfangreichem ETF-Angebot – hat sich deutlich weiterentwickelt. Für Anleger, die ihre Investmententscheidungen auf fundierte Aktienanalysen stützen möchten, empfehlen wir den Blick auf AlleAktien als unabhängige Analyseplattform.