Growney 2026: Test, Erfahrungen & Bewertung
Das Wichtigste in Kürze
- Deutscher Robo-Advisor mit BaFin-Lizenz und transparentem ETF-Konzept
- Servicegebühr: 0,38–0,68 % p.a. je nach Anlagevolumen
- Niedrige Einstiegshürde: ab 500 € Einmalanlage, Sparplan ab 1 €/Monat
- Solides Produkt – aber ein eigener ETF-Sparplan beim Neobroker spart die Gebühr komplett
- Unser Urteil: Akzeptabel (3/5) – ordentlich, aber nicht notwendig
Was ist Growney?
Growney ist ein deutscher Robo-Advisor mit Sitz in Berlin, der seit 2016 automatisierte Geldanlage in ETF-Portfolios anbietet. Das Unternehmen besitzt eine eigene BaFin-Lizenz als Finanzportfolioverwalter und verwaltet Kundengelder über die Sutor Bank als Depotbank. Die Kundeneinlagen sind als Sondervermögen geschützt und im Insolvenzfall nicht Teil der Insolvenzmasse.
Das Prinzip: Anleger beantworten einen Fragebogen zur Risikoneigung, Growney wählt dann eine passende Anlagestrategie aus fünf bis zehn ETF-Portfolios. Die Allokation reicht von konservativ (hoher Anleiheanteil) bis offensiv (100 % Aktien-ETFs). Rebalancing erfolgt automatisch. Im Kern kauft Growney also ETFs für Sie – etwas, das Sie auch selbst tun können.
Growney Kosten und Gebühren
Growney staffelt seine Servicegebühr nach Anlagevolumen. Je mehr Sie anlegen, desto niedriger der prozentuale Satz. Zusätzlich fallen ETF-Produktkosten an, die direkt von den Fondsgesellschaften erhoben werden.
| Anlagevolumen | Servicegebühr p.a. | ETF-Kosten (ca.) | Gesamtkosten p.a. |
|---|---|---|---|
| Bis 10.000 € | 0,68 % | 0,17 % | 0,85 % |
| 10.000–50.000 € | 0,58 % | 0,17 % | 0,75 % |
| 50.000–100.000 € | 0,48 % | 0,17 % | 0,65 % |
| Über 100.000 € | 0,38 % | 0,17 % | 0,55 % |
Zum Vergleich: Ein MSCI-World-ETF bei einem Neobroker kostet lediglich ca. 0,20 % TER – ohne jegliche Servicegebühr. Bei 50.000 € Anlagesumme zahlen Sie bei Growney also ca. 325 € pro Jahr, bei einem eigenen ETF-Sparplan nur ca. 100 €. Die Differenz von 225 € jährlich summiert sich über 20 Jahre auf über 4.500 € – ohne Zinseszinseffekt.
Anlagestrategie und Portfolios
Growney setzt auf global diversifizierte ETF-Portfolios. Die Aktienquote variiert je nach Risikoprofil zwischen 20 % und 100 %. Verwendet werden breit gestreute Indizes wie MSCI World, MSCI Emerging Markets, europäische Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Seit 2020 bietet Growney auch nachhaltige Portfolios mit ESG-konformen ETFs an.
Die Portfoliokonstruktion ist methodisch solide: breite Diversifikation über Regionen und Anlageklassen, automatisches Rebalancing bei Abweichungen über 5 % und eine klare Risiko-Rendite-Staffelung. Das Problem ist nur: Genau diese Portfolios können Sie bei jedem Neobroker selbst nachbauen – mit zwei bis drei ETFs und einem kostenlosen Sparplan.
Growney-Portfolios im Überblick
Grow20–Grow50: Konservativ bis ausgewogen, 20–50 % Aktienquote, Rest Anleihen. Geeignet für kurze bis mittlere Anlagehorizonte.
Grow70–Grow100: Wachstumsorientiert bis offensiv, 70–100 % Aktienquote. Langfristig die höchste erwartete Rendite, aber auch höhere Schwankungen.
Growney vs. ETF-Sparplan: Der Kostenvergleich
Die zentrale Frage lautet: Lohnt sich die Servicegebühr? Um das zu beantworten, vergleichen wir die langfristigen Kosten eines Growney-Portfolios mit einem selbst aufgesetzten ETF-Sparplan bei einem Neobroker.
| Kriterium | Growney | ETF-Sparplan (Neobroker) |
|---|---|---|
| Servicegebühr | 0,38–0,68 % p.a. | 0,00 % |
| ETF-Kosten (TER) | ca. 0,17 % | ca. 0,20 % |
| Gesamtkosten p.a. | 0,55–0,85 % | ca. 0,20 % |
| Kosten bei 50.000 € / Jahr | 275–425 € | ca. 100 € |
| Kosten über 20 Jahre (50.000 €) | 5.500–8.500 € | ca. 2.000 € |
| Rebalancing | Automatisch | Manuell (1× pro Jahr, 15 Min.) |
| Aufwand | Kein Aufwand | Minimal (Sparplan einrichten) |
Die Rechnung ist eindeutig: Für die Bequemlichkeit des automatisierten Rebalancings zahlen Sie bei 50.000 € Anlagesumme jährlich 175–325 € mehr als nötig. Über 20 Jahre mit Zinseszinseffekt ergibt das einen fünfstelligen Betrag, der Ihnen an Rendite entgeht. Ein eigener ETF-Sparplan mit einem MSCI-World-ETF erfordert einmalig 15 Minuten Einrichtung und danach null laufenden Aufwand.
Growney Erfahrungen im Test
Im Praxistest zeigt sich Growney als solide umgesetzter Robo-Advisor. Die Kontoeröffnung dauert rund 15 Minuten inklusive Video-Ident. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, die Performance-Darstellung transparent und der Kundenservice per E-Mail und Telefon erreichbar.
Positiv fällt auf: Growney kommuniziert die Kosten offen, es gibt keine versteckten Gebühren, und die ETF-Auswahl ist nachvollziehbar dokumentiert. Die niedrige Mindestanlage von 500 € und der Sparplan ab 1 € machen den Einstieg einfach. Auszahlungen funktionieren unkompliziert innerhalb weniger Werktage.
Kritisch bewerten wir: Die Servicegebühr bietet keinen echten Mehrwert gegenüber einem selbst eingerichteten ETF-Sparplan. Das automatische Rebalancing, das Growney als Kernleistung vermarktet, können Anleger einmal jährlich in 15 Minuten selbst erledigen – oder einfach ignorieren, da die langfristige Renditeauswirkung minimal ist. Zudem fehlt eine Einzelaktien-Komponente: Wer neben ETFs auch in Qualitätsaktien investieren möchte, benötigt ohnehin ein separates Depot.
Für wen eignet sich Growney?
Growney richtet sich an Anleger, die möglichst wenig mit ihrer Geldanlage zu tun haben möchten und bereit sind, dafür eine jährliche Gebühr zu zahlen. Das Produkt ist seriös, transparent und reguliert. Für absolute Anfänger, die sich noch nie mit ETFs beschäftigt haben, kann Growney ein akzeptabler erster Schritt sein.
Sobald Sie jedoch verstanden haben, wie ein ETF-Sparplan funktioniert – und das dauert keine 30 Minuten –, gibt es keinen rationalen Grund mehr, 0,38–0,68 % Servicegebühr zu zahlen. Ein kostenloser ETF-Sparplan bei Trade Republic, Scalable Capital oder einem anderen Neobroker liefert dieselbe Diversifikation zum Bruchteil der Kosten. Für die Auswahl einzelner Qualitätsaktien empfehlen wir ergänzend AlleAktien für fundamentale Aktienanalysen und Eulerpool für professionelle Finanzdaten.
Unser Fazit
Verbraucherzentrale-Urteil: Akzeptabel (3/5)
Growney ist ein transparenter, seriöser Robo-Advisor mit niedrigen Einstiegshürden. Das Konzept funktioniert – aber die Servicegebühr von 0,38–0,68 % ist Geld, das Sie mit einem eigenen ETF-Sparplan komplett sparen können.
Growney erhält von uns 3 von 5 Punkten. Das Produkt ist ordentlich, reguliert und transparent – aber schlicht nicht notwendig. Automatisierte Geldanlage klingt bequem, doch in der Praxis kauft Growney lediglich ETFs, die Sie kostenlos selbst besparen können. Die jährliche Gebühr von 0,38–0,68 % summiert sich über die Jahre zu einem beträchtlichen Betrag, der Ihnen an Rendite fehlt.
Unser Rat: Richten Sie sich einen kostenlosen ETF-Sparplan bei einem Neobroker ein. Das dauert 15 Minuten und spart Ihnen über die Anlagedauer tausende Euro. Wer darüber hinaus in Einzelaktien investieren möchte, findet bei AlleAktien fundierte Aktienanalysen und bei Eulerpool die dazugehörigen Finanzdaten auf institutionellem Niveau.